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Bewertungsleitfaden
Bei der Beurteilung von Individuellen Projekten wird die Arbeit unter sieben Aspekten einzeln bewertet, die jedoch nicht gleichgewichtig sind. Das verschiedene Gewicht wird dadurch berücksichtigt, dass für die einzelnen Aspekte unterschiedlich große Intervalle für Punktzahlen zur Verfügung stehen.
| Aspekt | Punktzahl-Intervalle |
| 1. Schwierigkeitsgrad | 0 ... 10 |
| 2. Originalität / Kreativität | 0 ... 20 |
| 3. Wissenschaftliche Arbeitstechnik | 0 ... 20 |
| 4. Ingenieurmäßige Vorgehensweise | 0 ... 20 |
| 5. Stil | 0 ... 10 |
| 6. Form | 0 ... 10 |
| 7. Vortrag | 0 ... 10 |
| Summe | 0...100 |
Arbeiten, bei denen für die wissenschaftliche Arbeitstechnik oder ingenieurmäßige Vorgehensweise < 8 Punkte vergeben wurden, gelten als nicht bestanden. In dem Fall, dass trotzdem insgesamt mehr als 39 Punkte erreicht wurden, wird die Arbeit mit 39 Punkten bewertet. In den im folgenden angeführten Hinweisen zur Bepunktung der einzelnen Aspekte ist jeweils zunächst ein Standard definiert, dem eine mittlere Punktzahl aus dem jeweiligen Intervall entspricht. Dann folgen Gesichtspunkte, die eine Erhöhung (+, ++) oder eine Erniedrigung (-, --) dieser Punktzahl rechtfertigen können. Dabei kennzeichnet ++ (--) Gesichtspunkte, die bei Vorliegen entsprechender Umstände auch stärker berücksichtigt werden können. Die Gesamtpunktzahl ergibt sich durch Addition der einzelnen Punktzahlen. Die Aufzählung der folgenden Einzelhinweise ist nicht abschließend zu verstehen.
Schwierigkeitsgrad
Bei der Beurteilung des Schwierigkeitsgrads ist davon auszugehen, ob die Problemstellung mit der durchschnittlichen Ausgangsqualifikation der Studierenden gelöst werden kann. Die Beurteilung des Schwierigkeitsgrads einer Arbeit kann evtl. erst nach Abschluss erfolgen, da eine zwischenzeitliche Veränderung des Schwierigkeitsgrades vorgenommen werden kann. Sie umfasst die Prüfung, ob die vorgelegte Fassung die genannten Merkmale auch tatsächlich enthält.
Einzelhinweise:
++ Zielsetzung und Ablauf der Arbeit sind nicht eindeutig vorgezeichnet, die Abgrenzung der Aufgabe gehört selbst zur Aufgabenstellung.
+ Neben theoretisch-konzeptionellen Arbeiten ist Softwareentwicklung erforderlich, der entweder einen erheblichen Umfang ausmacht oder der Art nach deutlich außerhalb der üblichen Programmierungspraxis der Bearbeitergruppe liegt.
+ Die durchschnittliche Ausgangsqualifikation der Bearbeitergruppe genügt nicht, weil zur Bearbeitung Kenntnisse erforderlich sind, die nicht oder nicht in der erforderlichen Tiefe in Standard-Lehrveranstaltungen gebracht werden.
+ Es steht nur wenig Literatur oder andere Information zur Verfügung, das wissenschaftliche Umfeld fehlt.
- Die Lösung erfordert weder tiefgehende theoretische Methoden oder konzeptionelle Arbeiten noch erheblichen oder der Art nach außerhalb der üblichen Programmierpraxis liegenden Programmieraufwand.
Originalität / Kreativität
Bei der Beurteilung der Originalität bzw. Kreativität ist nicht nur davon auszugehen, inwieweit die Bearbeiterin bzw. der Bearbeiter der Anleitung und Führung durch die Betreuerin bzw. den Betreuer bedarf. Es ist vielmehr selbstverständlich, dass die Bearbeiterin bzw. der Bearbeiter Initiative entwickelt, d. h. aus eigenem Antrieb Schwierigkeiten aufgreift und mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer diskutiert. Die Initiative wird über den gesamten Betreuungszeitraum betrachtet.
Einzelhinweise:
++ (Bei theoretisch-konzeptionellen Teilen der Arbeit) Ein bisher "ungelöstes" Problem wurde gelöst oder ein grundsätzlich neuer Lösungsweg für ein bereits gelöstes Problem angegeben.
++ Während der Arbeit sich ergebende oder sich andeutende neue Probleme wurden erkannt und verfolgt, auch wenn sie nicht unmittelbar zur Aufgabenstellung gehörten.
- Die Bearbeiterin bzw. der Bearbeiter geht sich ergebenden Schwierigkeiten aus dem Weg.
- Die Initiativen und Lösungsvorschläge der Bearbeiterin bzw. des Bearbeiters sind bezüglich ihrer Durchführbarkeit nicht durchdacht.
-- Die Bearbeiterin bzw. der Bearbeiter lässt es an eigener Initiative mangeln und bewegt sich ausschließlich in den durch die Betreuerin bzw. den Betreuer vorgezeichneten Bahnen.
Wissenschaftliche Arbeitstechnik
Bei der Beurteilung der wissenschaftlichen Arbeitstechnik ist zunächst die Charakteristik der Arbeit deutlich zu machen, d. h. gegebenenfalls theoretisch-konzeptionelle Teile werden von den ingenieurmäßigen Leistungen getrennt.
Einzelhinweise:
++ Die Arbeit zeigt, dass die Bearbeiterin bzw. der Bearbeiter sowohl in der Lage ist, einzelne Gesichtspunkte nach der ihnen im Rahmen des Ganzen zukommenden Wichtigkeit einzuordnen und mit dem jeweils angemessenen Aufwand zu bearbeiten, als auch durch sorgfältiges Abwägen verschiedener Argumente diejenigen Aspekte auswählen kann, die eine genaue Bearbeitung verdienen.
++ Die erzielten Ergebnisse werden interpretiert. Hierzu gehört, dass die Relevanz theoretischkonzeptioneller Ergebnisse an Hand praktischer Beispiele dargelegt wird. Weiterhin sind die Ergebnisse und die verwendeten Methoden mit denen anderer Arbeiten in Beziehung gesetzt und eigene Ergebnisse kritisch diskutiert (Einschränkungen ihrer Gültigkeit oder Anwendbarkeit, Hinweis auf Möglichkeiten von Verallgemeinerungen oder Erweiterungen).
+ Die Arbeit enthält eine übersichtliche und vergleichende Würdigung wichtiger bekannter Ergebnisse oder Techniken, sowie sie für die vorliegende Arbeit von Bedeutung sind. Dabei soll es sich nicht um weit schweifende Wiederholungen ganzer Abschnitte des Standardwissens handeln, sondern um eine kurze Darstellung der charakteristischen Gesichtspunkte unter gleichzeitiger Klarlegung etwaiger Unterschiede in der Zielsetzung. Eigene Ergebnisse sind von bekannten abgegrenzt.
+ Zur Lösung der Aufgabenstellung wurden benachbarte oder fremde Gebiete herangezogen.
+ Vorhandene Literatur wurde gut gesichtet und aufgearbeitet.
- Die Arbeit ist (stellenweise) nicht logisch aufgebaut; die eingeschlagenen Lösungswege sind nicht hinreichend begründet.
- Die Arbeit enthält keine Zusammenfassung, in der sich die Leserin bzw. der Leser schnell und zuverlässig über Zielsetzung und wichtigste Ergebnisse der Arbeit informieren kann. (Dies kann auch am Anfang als Einleitung auftreten).
- Im Literaturverzeichnis fehlen wichtige Literaturverweise oder es enthält reihenweise irrelevante Literaturverweise.
-- Die Arbeit zeigt, dass das durch die Fragestellung abgegrenzte Stoffgebiet nicht vollständig durchdrungen wurde oder bei der Bearbeiterin bzw. dem Bearbeiter Lücken in den vorausgesetzten Kenntnissen vorliegen.
Ingenieurmäßige Vorgehensweise
Wesentliches Kriterium bei der Beurteilung der Vorgehensweise ist die Berücksichtigung moderner ingenieurmäßiger Methoden bei der Entwicklung von Informatik-Systemen und der Qualität einer Software- oder Hardware-Implementierung. Bei eher theoretischen Themen ist die Anwendung von Techniken der theoretischen Informatik bei der Beurteilung zu berücksichtigen. Von der Korrektheit der Aussagen bzw. Programme ist auszugehen. Daneben fällt sehr stark das Ausmaß der Selbstkontrolle ins Gewicht, das sich bei formalen oder konzeptionellen Aussagen in der Argumentationsgründlichkeit, bei Software im Nachweis der "Richtigkeit" zeigt (sinnvolle Menge von Tests).
Einzelhinweise:
++ Beachtung moderner Konzepte und Prinzipien der ingenieurmäßigen Entwicklung von Informatik-Systemen (Strukturiertheit, Erweiterbarkeit, Wiederverwendbarkeit, ...).
++ Es ist ein ingenieurmäßiges Vorgehen im gesamten Entwicklungszyklus erkennbar.
++ Software wurde systematisch getestet und ist relativ leicht zu handhaben.
+ verständliche, gut strukturierte Beweisführung (bei theoretischen Themen).
-- Software ist nicht dokumentiert.
-- Implementieren ohne vorherige Konzeption.
-- Das entwickelte System stürzt oft ab.
-- Das entwickelte System liefert fehlerhafte Ergebnisse.
Stil
Bei der Beurteilung des Stils ist von der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit auszugehen, die sich der Leserin bzw. dem Leser in der vorgelegten Arbeit bietet. Diese zeigt sich insbesondere in der Klarheit und Kürze des Ausdrucks, auch schwierige Probleme müssen verständlich dargelegt, triviale Zusammenhänge nicht hinter einem formalen Apparat verborgen sein. Die Gedankenführung muss eindeutig sein. Die Länge der Arbeit ist kein Maß für deren Güte.
Einzelhinweise:
+ Die Länge der einzelnen Kapitel bzw. Abschnitte orientiert sich an der Wichtigkeit des Inhalts.
+ Komplizierte Zusammenhänge werden durch geschickt ausgewählte Beispiele interpretiert.
- Unnötige Wiederholungen, Weitschweifigkeit, Gedankensprünge.
- Holprige Sprache, "Hackerjargon", ungenaue Formulierungen.
- Unpräzise Definitionen, unübliche Notationen.
Form
Bei der Beurteilung der äußeren Form fällt neben der Sorgfalt der Ausführung, insbesondere der Abbildungen, die Klarheit der Gliederung und des Inhaltsverzeichnisses ins Gewicht.
Einzelhinweise:
+ Hilfreiche Glossare, Indexe, Verzeichnisse, ....
+ Übersichtliches Layout, nützliche Abbildungen, gute Strukturierung.
- Fehlende Anhänge und Verzeichnisse, schlechtes Layout, wenig hilfreiche Abbildungen.
- Mangelhafte Rechtschreibung, schlechter Ausdruck.
Vortrag
Zur Beurteilung des abschließenden Vortrags, in dem die Ergebnisse der Arbeit präsentiert werden, werden die Struktur des Vortrags, die Foliengestaltung sowie die Vortragstechnik hinzugezogen.
Einzelhinweise:
+ Die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit werden deutlich herausgestellt.
+ Komplexe Zusammenhänge werden mit multimedialen Elementen (Animationen, Videos, Demonstrationen) verdeutlicht.
- Der rote Faden fehlt.
- Unübersichtliche Foliengestaltung.
- Der vorgegebene Zeitrahmen wird deutlich überschritten.
- Auf Nachfragen können keine Antworten gegeben werden.
-- Generelle Richtlinien von Präsentationstechniken ("Softskills") werden nicht eingehalten.