Next: Entwicklung von Präsentationsanwendungen
Up: Multimediale Präsentationsanwendungen
Previous: Beziehungen zwischen Medienobjekten
Hypertext/Hypermedia-Dokumente und multimediale Präsentationsanwendungen
stellen jeweils Teilmengen multimedialer Anwendungen dar.
Sie können aufgrund folgender Unterschiede voneinander abgegrenzt werden:
- Semantik der Kanten
Während einer Kante in einem Hypergraphen die Bedeutung eines Verweises
auf eine ergänzende Informationsquelle anhaftet,
kennzeichnen Kanten in multimedialen Beziehungsnetzwerken
Beziehungen unterschiedlichen Typs zwischen Medienobjekten. - Eigenschaften der Ausführung
Während ein Benutzer beim Lesen eines Hypertext-Dokuments selbständig
im Hypergraphen navigiert, wird er beim Betrachten einer
multimedialen Präsentationsanwendung vom System durch das
multimediale Beziehungsnetzwerk geführt, d.h. die einzelnen
Informationseinheiten werden ihm in dem im Netzwerk festgelegten
Zusammenhang präsentiert.
Hypertext-Systeme sind durch einen benutzergesteuerten Dialog zwischen
Mensch und Computer und multimediale Präsentationsanwendungen
durch einen rechner- bzw. entwicklergesteuerten Dialog gekennzeichnet. - Vernetzungsgrad
Angstmann [Ang90] führt als Unterschied die weitaus höhere
Vernetzung eines Hypergraphen gegenüber einem Beziehungsnetzwerk an,
wobei er allerdings nur zeitliche Beziehungen und spezielle
Interaktionsbeziehungen
berücksichtigt. - Gestaltung der Benutzungsoberfläche
Mühlhäuser [Mü91] weist auf die eher
starre Gestaltung der Benutzeroberfläche
klassischer Hypertext-Systeme gegenüber der Dynamik
multimedialer Präsentationen hin, die unter anderem
eine Folge der Integration kontinuierlicher Medien in multimedialen
Präsentationsanwendungen ist. - Werkzeuge
Hypertext-Systeme stellen einem Benutzer häufig
zusätzliche Hilfsmittel,
wie Browser, Filter, Übersichtsfenster und History-Mechanismen
zur Verfügung, die
einem Benutzer die Navigation
erleichtern und dabei helfen sollen, Probleme,
wie beispielsweise das ,,lost-in-the-space``-Problem [Con87],
zu mindern.
Derartige Werkzeuge werden bei der Ausführung
multimedialer Präsentationsanwendungen
im allgemeinen nicht benötigt. - Zeitabhängigkeit
In [HBvR94] werden Hypertext, Hypermedia und Multimedia unter dem Aspekt
der Zeit verglichen. Da in Hypertext-Systemen (im engeren Sinn) nur
das zeitunabhängige Medium Text integriert ist, kann ein Benutzer im
allgemeinen selbständig bestimmen, wann und wielange er eine bestimmte
Textseite betrachten möchte. Es bestehen bezüglich der Präsentation
keine zeitlichen Abhängigkeiten zwischen den Knoten des Hypergraphen.
Im Unterschied dazu haben zeitabhängige Medien, wie Audio und Video,
im allgemeinen eine bestimmte Präsentationsdauer. Es existieren
zeitliche Beziehungen zwischen den einzelnen Einheiten, so daß die
Präsentation von Informationen ohne den Eingriff eines Benutzers
enden bzw. beginnen kann.
Hypermedia wird in [HBvR94] als eine
Kombination von Hypertext und Multimedia betrachtet, bei der die Knoten
des Hypergraphen eigenständige multimediale Beziehungsnetzwerke darstellen.
Ein Benutzer kann somit wie in einem Hypertext-System durch den
Graphen navigieren. Anstelle der einzelnen Textseiten werden ihm jedoch
jeweils vollständige multimediale Anwendungen präsentiert.
Trotz der oben angeführten Unterschiede muß eine Gemeinsamkeit
von Hypertext-Systemen und multimedialen Präsentationsanwendungen
an dieser Stelle hervorgehoben werden
:
Ein Hypergraph stellt einen Spezialfall eines multimedialen Beziehungsnetzwerks
dar. Hyperknoten, d.h. die Seiten eines Hypertext-Dokumentes, können
interpretiert werden als komplexe Medienobjekte, die sich aus
Text-Objekten
und Interaktionsobjekten zusammensetzen, zwischen denen räumliche Beziehungen
existieren, die ihre Position in dem Präsentationsfenster
oder -frame festlegen.
Interaktionsobjekte sind dabei häufig Buttons und Hotspots (unsichtbare,
mausklicksensitive Rechtecke), die über Teile des Dokuments gelegt werden
und die Anker realisieren. Hyperlinks entsprechen Interaktionsbeziehungen,
die von den Interaktionsobjekten ausgehen und zeitliche Auswirkungen
haben, nämlich im allgemeinen die Aktivierung des Hyperknotens, d.h.
die Darstellung der Seite, auf die verwiesen wird.
Resultierend aus dieser Eigenschaft eines
Hypergraphen, ein spezielles multimediales
Beziehungsnetzwerk zu sein, lassen sich Autorenwerkzeuge
nicht nur zur Entwicklung multimedialer Präsentationen sondern auch zur
Entwicklung von Hypertext/Hypermedia-Dokumenten einsetzen.
Next: Entwicklung von Präsentationsanwendungen
Up: Multimediale Präsentationsanwendungen
Previous: Beziehungen zwischen Medienobjekten
Dietrich Boles
Thu Nov 14 14:58:01 MET 1996