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Analogie zur objektorientierten Programmierung

Existierende Entwicklungswerkzeuge für multimediale Präsentationsanwendungen verwenden häufig Metaphern, um ihren Benutzern das Verständnis ihrer Benutzerschnittstelle zu erleichtern. So werden in HyperCard (siehe Kapitel 5.1.1.1) Karten auf Stapel gelegt, in ToolBook (siehe Kapitel 5.1.1.2) fertigt der Autor Seiten an, die zu Büchern zusammengebunden werden, und in MacroMind Director (siehe Kapitel 5.1.2.1) bestehen Filme aus Szenen und Einzelbildern, wobei die Medienobjekte als Darsteller betrachtet werden. Eine geeignete Analogie zur Entwicklung einer interaktiven multimedialen Präsentationsanwendung aufgrund der oben vorgestellten Sichtweise stellt die objektorientierte Programmierung dar:

Durch Spezialisten (Medienobjektkreierer) werden Basisfunktionen (elementare Medienobjekte) definiert und in Softwarebibliotheken (Medienobjektsammlungen) zusammengefaßt. Bestimmte Spezialisten programmieren dabei beispielsweise Funktionen für die Gestaltung einer Benutzungsoberfläche, andere erzeugen mathematische Libraries. Ein Anwendungsprogrammierer (Regisseur) benutzt die Funktionen der Libraries, um seine konkrete Anwendung zu entwickeln. Während er nicht auf die lokalen Variablen der Funktionen (Informationsattribute) zugreifen kann, hat er über Funktionsparameter (Gestaltungsattribute) die Möglichkeit, das Verhalten (Layout) der einzelnen Funktionen zu beeinflussen. Der Anwendungsprogrammierer stellt Beziehungen zwischen den Funktionen her, indem beispielsweise der gelieferte Wert einer Funktion als Parameter einer anschließend aufgerufenen Funktion übergeben wird (Strukturierungsphase). Mit Hilfe von Debuggern und anderen Werkzeugen moderner Entwicklungsumgebungen kann er bereits in der Entwicklungsphase Programmteile austesten (Test-Phase). Als Endprodukt wird mittels eines Compilers ein Programm generiert, das ein Anwender (Endbenutzer) ausführen kann.gif Eine Alternative besteht für einen Anwendungsprogrammierer darin, kein fertiges Anwendungsprogramm zu erstellen, sondern mit Hilfe der Funktionen der existierenden Libraries komplexere Funktionen (komplexe Medienobjekte) zu bilden, die er wiederum in Form von Bibliotheken eventuell anderen Programmierern zur Verfügung stellt. Fehlen in einer objektorientierten Umgebung bestimmte Typen bzw. Klassen, kann ein Komponentenprogrammierer (Medientypintegrator) diese mittels objektorientierter Konzepte, wie der Spezialisierung, definieren (Werkzeugerweiterungsphase).



Dietrich Boles
Thu Nov 14 14:58:01 MET 1996