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Problem der Aufgabenzuordnung

An dieser Stelle muß ein Problem diskutiert werden, daß sich als das Problem der Aufgabenzuordnung oder auch als das Problem des Abstraktionsniveaus von Medienobjekten charakterisieren läßt.

Im vorangehenden Abschnitt wurden der Aufgabenbereich eines Medientypintegrators, eines Medienobjektkreieres und eines Autors festgelegt. Diese Festlegung orientiert sich dabei an der Aufgabenzuordnung existierender Autorenwerkzeuge. Sie ist aber, wie das folgende Beispiel illustrieren soll, nicht zwingend vorgeschrieben:

In Abschnitt 2.4.2.7 wurden Medienobjekte in Source-, Sink- und Filter-Objekte unterteilt, zwischen denen konfigurelle Beziehungen bestehen, und in Abschnitt 2.5.3.5 wurde die Aufgabe der Definition von konfigurellen Beziehungen dem Medientypintegrator zugeordnet. Prinzipiell vorstellbar ist aber auch, diese Aufgabe durch einen Medienobjektkreierer oder sogar einen Autor bearbeiten zu lassen. In Bezug auf ersteren stelle man sich vor, daß ein Medientypintegrator nicht einen konkreten Medientyp Live-Video oder File-Video in das Autorenwerkzeug integriert, sondern einen allgemeinen Typ Video, der unter anderem diese beiden Typen umfaßt. Dazu implementiert er ein unter Umständen sogar graphisch-interaktives Werkzeug, in dem verschiedene Source-, Sink- und Filter-Objekte über Kanäle miteinander verbunden, d.h. konfigurelle Beziehungen zwischen ihnen definiert werden können. In diesem Fall käme einem Medienobjektkeierer die Aufgabe der Definition konfigureller Beziehungen zu. So könnte er beispielsweise ein Source-Objekt, das Daten von einer Video-Kamera gesendet bekommt, mit Hilfe des Werkzeugs mit einem Sink-Objekt koppeln, das die Daten auf den Bildschirm ausgibt, und hätte damit ein Live-Video-Objekt erzeugt, das ein Autor anschließend in das Autorenwerkzeug laden könnte. Im anderen Fall stelle man sich vor, daß der Entwickler eines Autorenwerkzeugs Source-, Sink- und Filter-Objekte als die elementaren Medienobjekte ansieht und die Strukturierungswerkzeuge derart implementiert, daß auch konfigurelle Beziehungen mit ihrer Hilfe definiert werden können. In einem solchen Autorenwerkzeug existiert dann also kein eigener Typ Video oder Live-Video. Vielmehr erzeugt ein Autor Video-Objekte als komplexe Medienobjekte, indem er Source, Sink- und Filter-Objekte über konfigurelle Beziehungen miteinander verbindet.

Auch bei den Interaktionsobjekten tritt ein derartiges Problem auf, das in Kapitel 4.3.1 und 7.6.2 behandelt wird.

In der Literatur finden sich leider keine Hinweise darauf, warum existierenden Autorenwerkzeuge gerade das Abstraktionsniveau von Medienobjekten unterstützen, das den Ausführungen von Abschnitt 2.5 zugrundeliegt. Im Prinzip müßten vor der Entwicklung eines Autorenwerkzeugs die Fähigkeiten und Kenntnisse der Personen analysiert werden, die mit dem Autorenwerkzeug arbeiten sollen. Auf der Grundlage dieser Untersuchungen müßte dann das Abstraktionsniveau der Medienobjekte dieses Autorenwerkzeugs festgelegt werden. Optimal wäre es, ein Autorenwerkzeug flexibel zu gestalten, so daß es den Anforderungen der Autoren angepaßt werden kann. Das Autorenwerkzeug FMAD bietet in einem gewissen Rahmen eine derartige Flexibilität (siehe Kapitel 7).


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Dietrich Boles
Thu Nov 14 14:58:01 MET 1996