Der Computer ist ein Kommunikationsmedium. Er unterscheidet sich
vom Fernseher, der -- heutzutage noch -- ein reines Präsentationsmedium ist,
durch die Möglichkeit der Interaktion seitens des Menschen.
Natürlich kann der Mensch auch mit dem Fernseher interagieren, indem
er beispielsweise Lautstärke oder Helligkeit verstellt.
Dies sind aber anwendungsunabhängige Gestaltungsattribute. Der Computer
zeichnet sich dadurch aus, daß -- sofern eine Anwendung so programmiert
wurde -- der Mensch die Möglichkeit hat, die Anwendung interaktiv zu
beeinflussen. Auch Multimedia-Anwendungen sollten definitionsgemäß
Eingriffe des Menschen erlauben. Eine Definition von Multimedia,
die wesentlich stärker die Eingabeseite betont als die Definition von
Steinmetz (siehe Kapitel 2.1), wird
in [DGHL91] gegeben:
,,Multimedia befaßt sich sowohl mit der Ausgabe- als auch mit der Eingabeseite als auch mit deren Kombination. Was die Ausgabe betrifft, müssen mehrere Medien parallel präsentiert werden können. Was die Eingabe betrifft, müssen mehrere gleichzeitig auftretende Eingaben, die eventuell über verschiedene Eingabegeräte erfolgt sind, parallel bearbeitet werden. Desweiteren müssen auf der Eingabeseite auch komplexe Eingabestrukturen, wie zum Beispiel Gesten, unterstützt werden.``
Nach dieser Definition fallen damit nicht-interaktive
multimediale Präsentationsanwendungen
nicht in das Gebiet der Multimedia-Systeme. Nur interaktive multimediale
Präsentationsanwendungen bilden ein Teilgebiet der Multimedia-Systeme.
Interaktionen sind also inhärent mit multimedialen Präsentationsanwendungen
verbunden.
Nicht-interaktive multimediale
Präsentationsanwendungen sind im Prinzip auch nichts Neues.
Sie könnten wie Filme auf dem Fernseher gezeigt werden. Erst durch die
Integration von InteraktionenInteraktion
wird das Medium Computer voll ausgenutzt. Der
Entwickler gibt die Präsentation nicht fest vor, sondern er läßt gewisse
Spielräume für den Endbenutzer. Dieser wird zu einem aktiven Teilhaber an
der Präsentation. Er kann beispielsweise wählen,
welche Information er zu einem bestimmten Zeitpunkt sehen möchte, oder
er kann das Layout der Präsentation seinen Bedürfnissen anpassen.
Welche Arten von Interaktionen in multimedialen Präsentationsanwendungen überhaupt möglich sind und welche Arten in Werkzeugen zur Entwicklung von Präsentationsanwendungen unterstützt werden können bzw. sollten, wird in diesem Kapitel, insbesondere in Abschnitt 3, untersucht. Als Grundlage dazu wird in den vorhergehenden Abschnitten eine Einführung in die Mensch-Computer Kommunikation und ein Überblick über die Terminologie dieses Teilbereich der Informatik gegeben. Mit der Programmierung von Interaktionen beschäftigt sich Abschnitt 4 dieses Kapitels.