Den Fähigkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation folgend, müßten Gesten, Sprache und Schrift in der angegebenen Reihenfolge auch zur Informationseingabe in den Computer genutzt werden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, wie Abbildung 3.1 (aus [Gei90]) verdeutlicht.
Abbildung: Menschliche Interaktionsfähigkeiten
contra Mensch-Computer Interaktion
Die Eingabe über eine Tastatur ist am weitesten verbreitet. Handschriftliche Eingaben bzw. Spracheingaben werden selten unterstützt. Eine gestische Eingabe ist heutzutage so gut wie gar nicht möglich. Grund für diese Kontroverse zwischen den menschlichen Fähigkeiten auf der einen Seite und der Realität auf der anderen Seite sind technische Grenzen. Der Mensch muß sich heute der Technik anpassen. Das Verhältnis zwischen Mensch und Computer wird durch den Computer bestimmt. Begrifflich zeigt sich dies beispielsweise daran, daß die Informationseingabe in den Computer häufig noch mit bedienen bezeichnet wird (siehe [Cha87b] oder [Cha92]).
Das Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Eingabe von Informationen in den Computer beschäftigt, ist das Gebiet der Mensch-Computer Interaktion (Human-Computer Interaction).Mensch-Computer Interaktion Neben Informatikern gehören diesem Gebiet Ergonomen, Soziologen, Psychologen und Kognitionswissenschaftler an [Boo89]. Ihr Hauptziel ist es, die Kluft zwischen Mensch und Computer umzukehren: Die Technik soll sich in der Zukunft dem Menschen anpassen. Auf dem Gebiet der Handschrifterkennung bzw. der Spracherkennung wird schon seit einiger Zeit geforscht, und auch die Informationseingabe über Gesten wird verstärkt untersucht. Möglichkeiten bietet hier der Datenhandschuh (siehe Abschnitt 3.2.1) oder auch die Beobachtung eines Benutzers durch eine Videokamera und die Interpretation seiner beobachteten Verhaltensweisen. Beispielsweise könnte ein Kopfnicken (Geste der Zustimmung) eine Frage bejahen und ein Kopfschütteln (Geste der Ablehnung) eine Frage verneinen, womit die in textuellen Systemen häufig auftretende Ja/Nein-Frage, bei der ein Benutzer ein ,,J`` bzw. ein ,,N`` eintippen muß, durch eine gestische Eingabeform ersetzt werden könnte. Einige Forschungssysteme werden in [BB87c] vorgestellt.
Bis derartige Forschungsansätze aber kommerziell einsatzfähig sind,
wird sicher noch einige Zeit vergehen. Von daher muß versucht werden,
mit heutzutage existierenden Technologien die gestische Eingabe zu simulieren
[Sch89]. Mit Hilfe der Maus lassen sich beispielsweise Zeigegesten
simulieren.
Durch die Dialogform der Direkten Manipulation (siehe Abschnitt 3.2.3.2)
ist es möglich, menschliche Verhaltensweisen
graphisch auf dem Bildschirm nachzubilden.
Klassisches Beispiel ist hier
das Bewegen eines Objektes auf einen durch ein Ikon dargestellten Papierkorb
als Metapher zum Löschen des Objektes. Derartige Simulationen müssen
insbesondere in Anwendungen eingesetzt werden, deren Benutzer im allgemeinen
keine Computerexperten sind. Dies trifft beispielsweise sowohl
auf Entwickler als auch auf Benutzer
multimedialer Präsentationsanwendungen zu.