Interaktionstechnik Während Interaktionsaufgaben die fundamentalen Informationstypen klassifizieren, werden unter Interaktionstechniken in [FvDFH92] Möglichkeiten verstanden, wie Eingabegeräte eingesetzt werden können, um diese Aufgaben zu erfüllen. Das heißt, Interaktionstechniken beschreiben die Art und Weise, wie Informationen (eines bestimmten Typs) mit welchem Eingabegerät in den Computer eingegeben werden können. Interaktionsformen, insbesondere die UI-Komponenten, stellen somit Hilfsmittel dar, die bestimmte Interaktionstechniken kapseln. Im folgenden werden einige Interaktionstechniken zur Erfüllung der Interaktionsaufgaben aus Abschnitt 3.2.2 vorgestellt:
Aus der Sicht eines Programmierers können Interaktionstechniken als Mechanismen interpretiert werden, durch die Benutzereingaben (Events) vom System erkannt und verarbeitet werden. Handelt es sich dabei um komplexe Events (Folgen von Benutzereingaben), so spricht man auch von komplexen Interaktionstechniken.Komplexe Interaktionstechnik Komplexe Interaktionstechniken bauen in die Verarbeitung der einzelnen Events häufig Ausgabeelemente ein, die für ein optisches Feedback sorgen. UI-Komponenten werden auf dieses Art und Weise realisiert. Die der Implementierung der Funktionsweise eines Buttons zugrundeliegende komplexe Interaktionstechnik ist beispielsweise im allgemeinen die, daß als erstes das Event ,,Maustaste über Button gedrückt`` erkannt wird. Daraufhin wird als Feedback der Button invertiert dargestellt. Anschließend wird, falls der Benutzer die Maustaste über dem Button wieder losgeläßt, eine vom Programmierer definierte Funktion aufgerufen und die invertierte Darstellung wieder rückgängig gemacht. Eine komplexe Interaktionstechnik, die häufig in direkt-manipulativen Benutzungsoberflächen zu finden ist, ist der sogenannte MoveGuard. Hierbei wird als erstes Event das Drücken einer Maustaste über einem bestimmten graphischen Objekt erwartet. Wird nun bei gedrückter Maustaste die Maus und damit der Mauscursor verschoben, wird gleichfalls auch das Objekt auf dem Bildschirm verschoben, und zwar solange, bis die Maustaste wieder losgelassen wird.
Eine umfangreiche Übersicht über verschiedene Interaktionstechniken enthält [FWC84]. Hier werden auch Vergleiche durchgeführt, welche Eingabegeräte sich zur Erfüllung welcher Interaktionsaufgaben besonders gut bzw. nicht eignen. Vergleichskriterien sind dabei unter anderem die Ausführungszeit, die Genauigkeit, die Lernzeit, die Fehlerrate oder auch die Ermüdung. Hauptziel bei der Auswahl und Implementierung geeigneter Interaktionstechniken bzw. Interaktionsformen ist die Minimierung der Arbeit der drei menschlichen Basisprozesse Perzeption, Kognition und Bewegungsaktivität. Dabei muß berücksichtigt werden, daß die Eignung bestimmter Interaktionstechniken bzw. -formen auch von den Benutzerklassen (Experten, Anfänger) bzw. vom individuellen Benutzer und seinen konkreten Bedürfnissen abhängt. Die Auswahl von Interaktionstechniken bzw. -formen ist damit eine anspruchsvolle Aufgabe bei der Entwicklung einer Benutzerschnittstelle.