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Visuelle Programmierung

Der Haupteinsatzbereich multimedialer Präsentationanwendungen ist der Bereich der Firmen- und Produktpräsentation. Personen, die an der Entwicklung von Präsentationsanwendungen beteiligt sind, sind daher beispielsweise Werbefachleute, Designer und Graphiker, im allgemeinen also keine Experten auf dem Gebiet der Programmierung. Aus diesem Grund müssen ihnen Entwicklungswerkzeuge zur Verfügung gestellt werden, die keine Programmierkenntnisse voraussetzen. Viele Untersuchungen haben gezeigt, daß insbesondere durch den Einsatz graphischer Hilfsmittel auch Nicht-Programmierer in der Lage sind, ohne lange Einarbeitungszeit komplexe Systeme zu erstellen, nicht nur im Multimedia-Bereich [Hal84]. Eine Konstruktion von Programmen mit graphischen Hilfsmitteln wird auch visuelle ProgrammierungVisuelle Programmierung  oder graphisch-interaktive ProgrammierungGraphisch-interaktive Programmierung  genannt. Werkzeuge, die im Bereich der Multimedia-Systeme eine visuelle Programmierung unterstützen, sind die Autorenwerkzeuge (siehe auch Kapitel 2.6).

Eine Alternative zur Nutzung eines Autorenwerkzeugs wäre für einen Entwickler das Erlernen einer speziellen Programmiersprache und das explizite Programmieren der Anwendung beispielsweise unter Verwendung eines Multimedia-Toolkits (Kapitel 2.6.2). Dazu fehlt dem oben genannten Personenkreis häufig aber die Zeit oder sogar die Fähigkeit [GF84]. Darüberhinaus ist die Entwicklungszeit einer Anwendung mit Hilfe eines Autorenwerkzeugs im allgemeinen wesentlich kürzer. Ein weiterer Vorteil bei der Verwendung von Autorenwerkzeugen ist eine niedrigere Fehlerrate. Eine andere Alternative bestünde darin, die Ideen und Konzepte zu Papier zu bringen und einen Programmierer mit der Implementierung zu beauftragen. Das kostet allerdings zum einen Geld, zum anderen geht damit die Möglichkeit des schnellen inkrementellen Entwurfs verloren, den ein Autorenwerkzeug durch die Unterstützung des jederzeitigen Wechsels zwischen Entwicklungs- und Ausführungsmodus gewährleistet.

Die visuelle Programmierung von multimedialen Präsentationsanwendungen durch den Einsatz von Autorenwerkzeugen bietet also eine Menge an Vorteilen. Allerdings nutzen viele existierenden Autorenwerkzeuge -- wie Kapitel 5 zeigen wird -- die Konzepte der visuellen Programmierung nur teilweise. Häufig können ausschließlich zeitliche Beziehungen -- meist durch die Bereitstellung eines graphischen Timeline-Editors -- und Initialisierungsbeziehungen -- mit Hilfe von Layout-Editoren -- graphisch-interaktiv durch einen Autor definiert werden. Andere Beziehungen, insbesondere die Interaktionsbeziehungen, müssen explizit in einer textuellen Sprache programmiert werden. In diesem Kapitel werden Gründe für dieses Dilemma analysiert und Lösungsansätze vorgestellt. Zuvor wird jedoch ein kurzer Einblick in die Thematik der visuellen Programmierung gegeben. Einen umfassenden Überblick über Paradigmen, Systeme, Anwendungen und Eigenschaften der visuellen Programmierung liefern die Bücher [Gli90b] und [Gli90a], in denen alle wichtigen Veröffentlichungen dieses Bereichs zusammengefaßt sind.




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Dietrich Boles
Thu Nov 14 14:58:01 MET 1996