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Flowchart-basierte Autorenwerkzeuge

Flowchart-basierte Autorenwerkzeuge sind dadurch gekennzeichnet, daß die Medienobjekte -- durch Ikonen bzw. Miniaturen repräsentiert -- in Diagrammen durch Kanten miteinander verbunden werden, die den möglichen Verlauf der Präsentation widerspiegeln. Gehen dabei von einem Objekt mehrere Kanten zu unterschiedlichen Objekten aus, so wird die während der Präsentation tatsächlich ,,durchflossene`` Kante im allgemeinen durch eine Navigationsinteraktion bestimmt. Strukturierte flowchart-basierte Autorenwerkzeuge lassen sich dadurch charakterisieren, daß eine (hierarchische) Strukturierung der Diagramme möglich ist, d.h bestimmte logisch bzw. funktional zusammenhängende Teile können zusammengefaßt und in ein externes Diagramm ausgelagert werden. Sie bilden ein komplexes Medienobjekt. Das externe Diagramme wird durch ein spezielles Ikon in seinem ,,Vater-Diagramm`` repräsentiert. Authorware Professional ist das bekannteste strukturierte flowchart-basierte Autorenwerkzeug. Eine derartige Strukturierung ist dagegen im Apple Media Tool nicht vorgesehen. Diese beiden Autorenwerkzeuge werden im folgenden ausführlich vorgestellt.

 

Apple Media Tool

Das Apple Media Tool (AMT) (Version 1.1) [APP93, Bre94a, Vol94] ist eine von zwei Komponenten des Apple Media Kits (AMK). Das AMT stellt Werkzeuge für eine rein visuelle Programmierung von interaktiven multimedialen Präsentationsanwendungen zur Verfügung. Die andere Komponente des AMK ist die Apple Media Tool Programming Environment (AMTPE), eine objektorientierte Programmierumgebung. Prinzipiell können die beiden Komponenten unabhängig voneinander eingesetzt werden. Es ist allerdings auch möglich, mit dem AMT erstellte Anwendungen in editierbaren Programmcode zu transformieren und in der AMTPE um Fähigkeit zu ergänzen, die mit dem AMT visuell nicht spezifizierbar sind. Das AMT ist auf dem Apple Macintosh verfügbar. Mit Hilfe eines Programms namens Runtime Maker können erstellte Anwendungen sowohl in Stand-Alone-Programme für den Macintosh als auch für PC/Windows-Plattformen transformiert werden. An Medientypen werden vom AMT QuickTime-Movies, PICT-Bilder, Text und Audio unterstützt. Medienobjekterzeugungswerkzeuge sind nicht integriert. Stattdessen müssen Medienobjekte mit separaten Werkzeugen erzeugt und über eine Datei-Schnittstelle in das AMT geladen werden. Eine Erweiterung des AMT um neue Medientypen durch einen Medientypintegrator ist nicht vorgesehen.

AMT-Elemente

Die AMT Authoring-Umgebung setzt sich aus sechs Element-Typen zusammen: Übersichtskartengif, Bildschirme, Objekte, Ereignisse, Aktionen und Medienmengen. Eine AMT-Übersichtskarte repräsentiert eine komplette Präsentationsanwendung. Sie stellt ein Fenster dar, in dem ikonifizierte AMT-Bildschirme liegen, die über gerichtete Kanten miteinander verbunden sind. AMT-Bildschirme bestehen aus einer Menge von AMT-Objekten. Das sind die Medienobjekte, die bei der Präsentation gleichzeitig auf dem Bildschirm erscheinen (können). AMT-Bildschirme können also als komplexe Medienobjekte angesehen werden. Dabei kann zur Laufzeit zu einem Zeitpunkt immer nur ein AMT-Bildschirm aktiv sein.gif Die Kanten zwischen den AMT-Bildschirm-Ikonen auf der AMT-Übersichtskarte kennzeichnen die zeitliche Reihenfolge, in der eine Präsentation von Bildschirmen möglich ist. AMT-Aktionen stellen Kommandos dar, die aufgrund eines vom Autor spezifizierten AMT-Ereignisses ausgeführt werden. Die AMT-Ereignisse sind dabei einzelnen AMT-Objekten zugeordnet. Die Menge an AMT-Ereignissen (MouseUp, MouseDown, BeforeDisplay, ...) und AMT-Aktionen (Show ;SPMlt;object;SPMgt;, Hide ;SPMlt;object;SPMgt;, Start ;SPMlt;object;SPMgt;, ...) ist fest vorgegeben und nicht erweiterbar. Eine AMT-Medienmenge stellt eine Medienobjektsammlung dar. Graphisch wird die Menge durch eine scrollbare Liste mit den Namen der Dateien, in denen die einzelnen Medienobjektinformationen abgelegt sind, als Einträgen repräsentiert. Abbildung 5.4 stellt die AMT-Elemente dar, so wie sie sich einem Autor bei der Benutzung des Apple Media Tools präsentieren.

 
Abbildung 5.4:  Elemente des Apple Media Tool

Arbeitweise

Zu Beginn der Entwicklung einer Präsentationsanwendung lädt der Autor die zu präsentierenden Medienobjekte in eine AMT-Medienmenge. Danach öffnet er eine AMT-Übersichtskarte, erzeugt die gewünschte Anzahl an AMT-Bildschirmen und verbindet sie über Kanten. Durch Doppelklick auf ein AMT-Bildschirm-Ikon wird ein Fenster geöffnet, das den Bildschirm darstellt, wie er bei der Präsentation erscheinen wird. Die auf diesem AMT-Bildschirm zu präsentierenden Medienobjekte können direkt-manipulativ aus der AMT-Medienmenge in das Bildschirm-Fenster verschoben und dort an die gewünschte initiale Position plaziert werden. Ein Interpreter ist jederzeit aufrufbar.

Interaktionen

Durch das AMT werden keine speziellen Interaktionsobjekte bereitgestellt.gif Vielmehr kann ein Autor beliebigen AMT-Objekten mit Hilfe von Menüs AMT-Ereignisse und diesen Ereignissen wiederum eine Menge von AMT-Aktionen zuordnen, die beim Eintreten dieses Ereignisses ausgeführt werden sollen. Als einziges Eingabegerät wird vom AMT die Maus unterstützt. Tastatureingaben können nicht abgefragt werden, was insbesondere bedeutet, daß keine Texteingabefelder realisiert werden können. Über AMT-Aktionen sind nur zeitliche, aber keine gestalterischen Auswirkungen spezifizierbar, d.h. es lassen sich nur Navigationsinteraktionen, nicht jedoch Gestaltungsinteraktionen definieren.

Mit Hilfe der AMT-Ereignisse BeforeDisplay, AfterDisplay und Finished sowie der AMT-Aktionen Start, Stop, Show und Hide kann ein Autor über entsprechende Ereignis-Aktion-Paare beliebige Start-Stop-Beziehungen zwischen Medienobjekten eines AMT-Bildschirm realisieren. Die Definition anderer Beziehungstypen ist nicht möglich.

Authorware Professional

Authorware Professional (AP) (Version 2.0) [Bre93, Ste94, Ste93a, Ste92a, Wes91] ist ein professionelles Autorenwerkzeug, das besonders für die Entwicklung interaktiver Lernprogramme geeignet ist. Es existiert eine Macintosh- und eine PC-Version. Auf dem Macintosh erstellte Applikationen sind auch auf dem PC lauffähig. An Medientypen werden Text, Graphik, Audio, Video und einfache Animationen unterstützt. In AP sind eigene Medienobjekterzeugungswerkzeuge integriert. Über Schnittstellen sind jedoch auch bestimmte separate Werkzeuge koppelbar. Eine Programmiersprache wird in AP nicht eingesetzt, es ist ein rein graphisch-interaktives Werkzeug.gif

Arbeitsweise

Nach dem Start von AP erscheint ein Fenster mit einer Leiste von 11 Ikonen am linken Rand. Jedes Ikon repräsentiert einen bestimmten Typ mit einer bestimmten Bedeutung. Durch Mausklick auf ein Typ-Ikon kann ein Autor Instanzen des jeweiligen Typs erzeugen, die durch ein identisches Ikon im Fenster dargestellt und über Kanten, sogenannte Flußlinien, miteinander verbunden werden können. Die Kanten zeigen den möglichen Präsentationsverlauf an. Eine Teilmenge der Ikons repräsentiert die unterstützten Medientypen. Durch Anklicken der Instanz-Ikonen öffnet sich ein typspezifischer Editor, in dem das Medienobjekt erzeugt und/oder seine Gestaltungsattribute festgelegt werden können. Ein spezielles Ikon ist für die Strukturierung der Flowchart-Diagramme zuständig. Es ermöglicht die Bildung komplexer Medienobjekte. Diese können als sogenannte Models abgespeichert und in anderen Programmen wiederverwendet werden. Zum Austesten von Programmteilen ist jederzeit ein Interpreter aufrufbar. Die Benutzungsoberfläche von Authorware Professional wird in Abbildung 5.5 demonstriert.

 
Abbildung:  Benutzungsoberfläche von Authorware Professional

Interaktionen

An Interaktionsobjekten stehen in AP Buttons, Hotspots, Texteingabefelder, Schieberegler, Pulldown-Menüs und MoveGuards zur Verfügung. Sie werden durch ein Interaktionsikon repräsentiert. Navigationsinteraktionen lassen sich mit Hilfe von Variablen realisieren. Dazu werden Benutzereingaben in bestimmten Variablen abgelegt. In Abhängigkeit vom Inhalt einer Variablen lassen sich Bedingungen für Verzweigungen und die Fortsetzung der Anwendung formulieren. Außerdem kann ein Autor eine Menge von Systemfunktionen und mathematischen Funktionen zur Manipulation und Berechnung von Werten zur Steuerung des Präsentationsverlaufs einsetzen. Die Spezifikation von Gestaltungsinteraktionen scheint in bestimmten Fällen möglich zu sein. Genaueres ging jedoch aus der zur Verfügung stehenden Literatur nicht hervor.

Weitere Produkte

Ein Autorenwerkzeug, das konzeptionell Authorware Professional ähnelt, ist Course Builder [Wes91] Es besitzt allerdings eine stark eingeschränkte Funktionalität und ist bei weitem nicht so ausdrucksmächtig. Ebenfalls von Authorware Professional geprägt -- insbesondere bezüglich der Unterstützung der Strukturierung sowie der Arbeitsweise mit Ikonen -- sind die Autorenwerkzeuge C.A.M.E. [Ste93a] und IconAuthor (Version 4.0) [Ste92a]. Auch InterActive [SW94] benutzt die Flowchart-Metapher.

Speziell zur Entwicklung von interaktiven Portfolie-CDs (interaktive elektronische Photoalben) dient das Autorenwerkzeug Arrange-It! [Bre94b]. Das Arbeitsfenster gleicht einer AMT-Übersichtskarte. Dort liegen die einzelnen Bilder des zu erstellenden Photoalbums als Minitaturen vor. Die Miniaturen enthalten kleine Laschen, die jeweils eine Taste der Fernbedienung des Photo-CD-Players repräsentieren. Über diese Laschen können die Miniaturen miteinander über Kanten verbunden werden. Die Kanten drücken dabei aus, welches Bild als nächstes erscheinen soll, wenn ein Benutzer die entsprechende Funktion der Fernbedienung betätigt.


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Dietrich Boles
Thu Nov 14 14:58:01 MET 1996