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Medienobjekte

(Abstrakte) Medienobjekte stellen die grundlegenden Basiseinheiten des IMRA-Modells dar. Sie bestehen aus einer Menge von Attributen und einer Menge von Ports. Medienobjekte können elementar oder komplex sein. Komplexe Medienobjekte enthalten zusätzlich zu den Attributen und Ports noch eine Menge von sogenannten Komponentenobjekten. Medienobjekte des IMRA-Modells sind immer feste Instanzen eines bestimmten Medientyps. Ein Autor kann ihnen einen Namen geben.

Abbildung 6.1(a) demonstriert das MR-Diagramm für die externe SichtExterne Sicht  auf ein elementares oder komplexes Medienobjekt. Das Objekt wird durch ein Rechteck repräsentiert, an dessen Kanten die Ports angeheftet sind. Falls erforderlich, werden die Attribute innerhalb des Rechtecks aufgelistet. Neben der externen Sicht auf ein Medienobjekt ist für komplexe Medienobjekte auch eine interne SichtInterne Sicht  auf das Objekt möglich (siehe Abbildung 6.1(b)). In der internen Sicht werden innerhalb des Rechtecks des komplexen Objekts dessen Komponentenobjekte dargestellt.

 
Abbildung 6.1:   Medienobjekte im IMRA-Modell

Komponentenobjekte

Komplexe Medienobjekte enthalten eine Menge von Komponentenobjekte. Das sind beliebige elementare oder auch selbst wieder komplexe Medienobjekte. Durch letzteres wird eine Hierarchisierung von Medienobjekten unterstützt. Das komplexe Objekt, in dem ein Komponentenobjekt liegt, wird als sein Vaterobjekt bezeichnet.Vaterobjekt 

In den MR-Diagrammen wird der Inhalt eines komplexen Objektes, das Komponentenobjekt eines anderen komplexen Objektes ist, im allgemeinen nicht dargestellt. Das heißt, komplexe Komponentenobjekte werden in der internen Sicht auf ihr Vaterobjekt als Black-Boxen repräsentiert. Die interne Sicht kann als White-Box betrachtet werden, in der die Struktur des komplexen Objektes ersichtlich ist.

Attribute

Attribut  Der Zustand eines Medienobjektes wird aus Sicht des Autors durch die aktuellen Werte sogenannter Attribute des Objektes repräsentiert. Attribute bestehen dabei aus einem Bezeichner und sind von einem bestimmten Typ. Sie enthalten einen Wert dieses Typs. Attribute besitzen ein Zugriffsrecht:Zugriffsrecht  Während die Werte öffentlicher (public) Attribute vom Autor über Beziehungen geändert werden können, ist auf geschützte (fixed) Attribute nur ein lesender Zugriff möglich. Eine Teilmenge der geschützten Attribute bilden die sogenannten Systemattribute, die einen systemabhängigen Wertebereich haben.Systemattribut  Das Medienobjekt in Abbildung 6.1(a) besitzt beispielsweise ein öffentliches Attribut mit dem Bezeichner volume, das ganzzahlige Werte zwischen 0 und 100 annehmen kann. Sein aktueller Wert ist 50. Jedes Medienobjekt besitzt mindestens drei Attribute:

Darüberhinaus können vom Medientypintegrator für jeden konkreten elementaren oder auch komplexen Medientyp beliebig viele weitere Attribute definiert werden. Sie können von elementarem Typ oder auch von komplexem Typ (Struktur, Array) sein. Der Medientypintegrator legt bestimmte Defaultwerte fest, die die Attribute bei jeder Aktivierung eines Objektes dieses Typs annehmen sollen. Attributwerte bleiben über die Passivierung eines Objektes hinaus nicht erhalten.

Im Sinne von Abschnitt 2.5.1.2 sind die Attribute eines Objektes (mit Ausnahme des Aktivitätsattributs) gerade seine Gestaltungsattribute. Informationsattribute sind im Innern eines Objektes verborgen und im Modell nicht von Interesse. Der allgemeinere Begriff Attribut wird im folgenden dem Begriff Gestaltungsattribut vorgezogen, weil Attribute nicht nur für die Gestaltung des Bildschirm-Layouts sondern auch zu anderen Zwecken benutzt werden.

Als Notation für Attribute wird im folgenden eine C++-ähnliche Notation verwendet. Das gilt sowohl für die Festlegung des Typs als auch für den Zugriff auf die Attribute. Identifikatoren werden dabei wie Zeiger behandelt.

Ports

Port  Ports bilden die eigentliche Schnittstelle der Medienobjekte nach außen. Über Ports können Beziehungen zu anderen Objekten hergestellt werden. Es existieren drei verschiedene Port-Typen:Start-Port Ende-Port Attribut-Port  Start-Ports, Ende-Ports und Attribut-Ports. Die Bedeutung dieser Unterscheidung wird in Abschnitt 6.1.2 erläutert. Jedes Medienobjekt besitzt genau einen Attribut-Port. Während elementare Medienobjekte auch jeweils genau einen Start- und einen Ende-Port haben, können komplexe Objekte auch mit mehreren Start- und/oder Ende-Ports versehen werden. In den MR-Diagrammen liegen Start-Ports am linken Rand des Medienrechtecks, Ende-Ports am rechten Rand. Der Attribut-Port befindet sich entweder am oberen oder am unteren Rand. Zur besseren Übersichtlichkeit kann der Attributport in der graphischen Notation auch zweigeteilt werden. In Abbildung 6.1 sind die verschiedenen Port-Typen gekennzeichnet.

Jedes komplexe Medienobjekt muß einen Ende-Port als sogenannten Abbruch-Port kennzeichnen. Bei den elementaren Medienobjekten ist der einzige Ende-Port automatisch der Ende-Port. Abbruch-Ports werden im Zusammenhang mit der Passivierung komplexer Medienobjekte benötigt (siehe Abschnitt 6.1.2.3).Abbruch-Port 

Systemfunktionen

Mit Hilfe des IMRA-Modells kann die Struktur und das Ablaufverhalten einer interaktiven multimedialen Präsentationsanwendung beschrieben werden. Zur Gestaltung der Benutzungsoberfläche, zur Ausgabe von Informationen, zur Registrierung und Verarbeitung von Benutzereingaben und für vieles mehr wird jedoch ein konkretes Laufzeit-System benötigt, das Variablen (Systemattribute) und auch Funktionen zur Verfügung stellt, deren Aufruf derartige Aufgaben erfüllt.gif

System  Im IMRA-Modell kann jedem Attribut eine solche Funktion, Systemfunktion genannt,Systemfunktion  zugeordnet werden. Dabei handelt es sich im allgemeinen um nicht-wertliefernde Funktionen, denen als Parameter der aktuelle Wert des Attributs übergeben wird. Systemfunktionen können aber auch weitere Parameter sowohl in Form von Wert-Parametern als auch in Form von Referenz-Parametern besitzen. Den Aktivitätsattributen werden besondere Systemfunktionen, sogenannte Aktivitätsfunktionen, zugeordnet.Aktivitätsfunktion  Aktivitätsfunktionen sind dadurch gekennzeichnet, daß sie nicht aufgerufen sondern gestartet werden und danach nebenläufig zu anderen Aktivitäten ablaufen, bis sie explizit gestoppt werden. Für eine Aktivitätsfunktion kann ein sogenannter Stop-Exception-Handler angegeben werden.Stop-Exception-Handler  Dies ist eine Sequenz von Anweisungen, die vor der endgültigen Terminierung der Funktion aufgrund eines Stop-Befehls angesprungen und ausgeführt wird. Zu welchem Zeitpunkt Systemfunktionen aufgerufen werden, wird in Abschnitt 6.1.2.1 beschrieben. Beispiele für Aktivitätsfunktionen sind Ausgaberoutinen für Audio- und Videodaten. Beispiele für andere Systemfunktionen sind Funktionen zur Umpositionierung einer Graphik auf dem Bildschirm oder zur Änderung der Lautstärke eines Audios. Dem Volume-Attribut des Medienobjektes in Abbildung 6.1(a) ist eine Systemfunktion SetVolume zugeordnet, der als Parameter der aktuelle Wert des Volume-Attribut übergeben wird.

Die Zuordnung von Systemfunktionen zu Attributen erfolgt nicht durch den Autor sondern bereits durch den Medientypintegrator und wird in Abschnitt 6.3.1 noch ausführlicher beschrieben. Für einen Autor ist es ausreichend zu wissen, welchen Effekt die Ausführung einer Systemfunktion hat.


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Dietrich Boles
Thu Nov 14 14:58:01 MET 1996