Die Durchsuchung der Aktivitätsaktionsliste vor der Attributaktionsliste impliziert eine höhere Priorität von Start- und Ende-Aktionen gegenüber Attribut-Aktionen. Für Start-Aktionen hat das keine Auswirkungen, da alle anderen Aktionen nur ausgeführt werden, falls das Objekt aktiv ist. Bezüglich der Ende-Aktionen bedeutet dies aber, daß obwohl eventuell bestimmte Attribut-Aktionen vor einer Ende-Aktion erzeugt worden sind, zuerst die Ende-Aktion tatsächlich ausgeführt wird. Die Attribut-Aktionen werden jedoch nicht verworfen, sondern nach einer erneuten Aktivierung des Objekts bearbeitet.
Durch den Algorithmus wird keine Reihenfolge festgelegt, in der die Aktionen in eine Liste eingetragen werden, falls durch die Ausführung einer Aktion mehrere Bedingungen erfüllt sind. Die Definition derartiger Reihenfolgen wird durch das IMRA-Modell nicht direkt unterstützt, sie kann jedoch durch einen Autor mit Hilfe spezieller Attribute, sogenannter Flag-Attribute,Flag-Attribut simuliert werden, falls diese durch einen Medientypintegrator zur Verfügung gestellt wurden. Abbildung 6.9(a) zeigt ein Beispiel, in der die Reihenfolge der Auslösung der Beziehungstrigger nicht definiert ist. Es ist nicht vorhersagbar, ob das Objekt zuerst rot und dann grün wird oder ob der umgekehrte Fall eintritt. In Abbildung 6.9(b) wird ein Flag-Attribut flag verwendet, mit dessen Hilfe eine Reihenfolge festgelegt wird. Initial hat flag den Wert 0. Ist die Bedingung pos.x == 100 erfüllt, werden die Aktionen colour = red und flag = 1 in die Attributaktionsliste eingetragen. Alle anderen Bedingungen sind nicht erfüllt. Nach der Ausführung der Aktion flag = 1 ist die Bedingung flag == 1 erfüllt, so daß die Aktionen colour = green und flag = 0 an die Attributaktionsliste angehängt werden. Damit wird die Farbe des betroffenen Objektes zuerst auf rot und dann auf grün gesetzt.
Abbildung 6.9: Reihenfolge der Beziehungsauswertung
In dem Beispiel in Abbildung 6.9 wird lediglich eine Reihenfolge der Beziehungstriggerung festgelegt, die ein einzelnes Objekt betrifft. Soll eine objektübergreifende Reihenfolge definiert werden, kann dies jedoch auf dieselbe Art und Weise über Attribute und den Attribut-Port des Vaterobjekts geschehen. Prinzipiell sind mit Hilfe von Flag-Attributen beliebige Reihenfolgen spezifizierbar. Aus diesem Grund sind auch keine anderen Modellierungshilfsmittel, wie Prioritäten, in das IMRA-Modell integriert worden. Das Modell selbst soll minimal gehalten werden. Wie aber bereits an dem einfachen Beispiel deutlich wird, kann die Modellierung einer Präsentationsanwendung dadurch sehr unübersichtlich werden. In konkreten Autorenwerkzeugen, die auf dem IMRA-Modell aufbauen, sollten daher andere Hilfsmittel zur Definition einer Abarbeitungsreihenfolge von Beziehungen zur Verfügung gestellt werden. Diese könnten unter Umständen intern mit Hilfe von Flag-Attributen implementiert werden.