Initialisierungsbeziehungen werden im IMRA-Modell durch die Verbindung eines Start-Ports mit dem Attribut-Port desselben Medienobjektes charakterisiert. Aktionen von Initialisierungsbeziehungen werden aufgrund der Eigenschaften des Präsentationsalgorithmusses vor dem Start der Aktivitätsfunktion des Medienobjektes bearbeitet. Über Initialisierungsbeziehungen können damit die vom Medientypintegrator festgelegten Defaultwerte der Attribute eines Medienobjektes geändert werden. Abbildung 6.22(a) demonstriert das Vorgehen bei der Layout-Definition mit Hilfe von Initialisierungsbeziehungen: Der Medientypintegrator hat als Defaultwert für das Attribut font von Textobjekten den Wert Times vorgesehen. Der Autor möchte jedoch, daß ein bestimmter Text im Geneva-Font auf dem Bildschirm erscheint. Dies erreicht er dadurch, daß er eine entsprechende Start-Beziehung definiert, die vom Start-Port des Textobjektes zum eigenen Attribut-Port führt. Anzumerken ist hierbei, daß diese Initialisierung bei jeder Aktivierung des Textobjektes erfolgt. Soll dies nicht der Fall sein, muß ein Flag-Attribut verwendet werden, das über eine Ende-Beziehung gesetzt wird (siehe Abbildung 6.22(b)). Aufgrund der Eigenschaften des Präsentationsalgorithmus wird bei einer erneuten Aktivierung des Objektes das Flag-Attribut gesetzt, bevor die Bedingung der Initialisierungsbeziehung überprüft wird. Sinnvoll ist eine einmalige Initialisierung insbesondere dann, wenn an das Textobjekt ein Interaktionsobjekt geknüpft ist, über das ein Benutzer den Font manipulieren kann. Der Benutzer soll nicht jedes Mal, wenn das Textobjekt neu aktiviert wird, den Font seinen Wünschen entsprechend umsetzen müssen.
Abbildung 6.22: Initialisierungsbeziehungen
Bei jeder Aktivierung eines Objektes werden den Attributen die vom Medientypintegrator festgelegten Defaultwerte zugewiesen. Das bedeutet, daß Attributwerte nicht über die Passivierung eines Objektes hinaus erhalten bleiben. Mit Hilfe von Intra-Media-Ende-Beziehungen läßt sich die Speicherung von Attributwerten jedoch simulieren, wie Abbildung 6.22(c) demonstriert. Bei der Passivierung des Textobjektes wird die Aktion der Ende-Beziehung in die Attributaktionsliste des Präsentationsalgorithmus eingetragen und bei einer erneuten Aktivierung nach der Initialisierung des Attributs mit dem Defaultwert aber vor dem Start der Aktivitätsfunktion ausgeführt.
Anzumerken ist, daß in konkreten Autorenwerkzeugen die Layout-Definition mit Hilfe von Initialisierungsbeziehungen durch die Menge anfallender Kanten zu unübersichtlichen Diagrammen führen kann. Ein konkretes Autorenwerkzeug sollte daher für die Layout-Phase geeignete Editoren zur Verfügung stellen und derartige Beziehungen automatisch generieren.