In Abschnitt 6.2 wurde der Präsentationsalgorithmus vorgestellt, der die Dynamik einer multimedialen Präsentationsanwendung beschreibt. Die Gesamtpräsentation ist dadurch gekennzeichnet, daß sie immer mit der Aktivierung des Start-Objektes, d.h. des Wurzelobjektes der Medienobjekthierarchie, beginnt. Dazu enthält die Aktivitätsaktionsliste initial die globale Start-Aktion. Wird der Algorithmus dahingehend geändert, daß letzteres nicht der Fall sein muß, sondern daß initial eine Start-Aktion an einem beliebigen Start-Port der Objektmenge in die Aktivitätsaktionsliste eingetragen werden kann, kann damit eine interpretative Ausführung der Anwendung realisiert werden, die mit dem Start eines beliebigen Objektes beginnt. Andere Änderungen am Präsentationsalgorithmus sind nicht erforderlich. In einem konkreten Autorenwerkzeug müssen allerdings Mechanismen bereitgestellt werden, durch die die Interpretation jederzeit abgebrochen werden kann. Desweiteren sind Mechanismen zu implementieren, die einem Autor anzeigen, an welcher Stelle der Präsentation sich der Algorithmus gerade befindet.
Das Verhalten einer interpretativen Teilausführung einer multimedialen Präsentationsanwendung kann jedoch von dem Verhalten der Gesamtausführung abweichen. In Abbildung 6.23 wird beispielsweise über eine Start-Beziehung, die von dem Video-Objekt ausgeht, der Wert der Lautstärke des Audio-Objektes verändert, und zwar so, daß mit dem Start des Audio-Objektes auch eine graphische Anzeige erfolgt. Wird nun die Ausführung der Anwendung interpretativ beim Start-Port des Audio-Objektes begonnen, besitzt das Lautstärke-Attribut noch den Wert 50, was zur Folge hat, daß das Graphik-Objekt nicht aktiviert wird.
Abbildung 6.23: Interpretation