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Einleitung

Die Erstellung elektronischer Dokumente erfolgt heutzutage größtenteils durch die Digitalisierung bereits in Papierform existierender Vorlagen bzw. durch die Konvertierung elektronischer Vorlagen in entsprechend nutzbare Dokumentenformate wie HTML oder PDF. Die Vorteile dieser Art der elektronischen Aufbereitung sind damit allerdings ausschließlich technischer und organisatorischer, nicht aber inhaltlicher Art. Für den Nutzer stellen derart erstellte elektronische Dokumente unter inhaltlichen Aspekten lediglich 1:1-Abbilder der Papierversion dar. Aus Nutzersicht wünschenswert wäre jedoch eine inhaltliche Qualitätsverbesserung, zum Beispiel durch die Integration zeitabhängiger Medien, wie Audios, Videos und Animationen, kombiniert mit Interaktionsformen bspw. zum flexiblen Zugriff auf gerade benötigte Informationen. Erst durch die Nutzung dieser neuartigen Form der Informationsaufbereitung ergibt sich bzgl. des elektronischen Publizierens ein inhaltlicher Mehrwert für den Nutzer.

Derartige multimediale Dokumente bzw. im allgemeineren Sinne multimediale Anwendungen verlangen jedoch vom Autor eine völlig veränderte Arbeitsweise und einen andersartigen Erstellungsprozeß. Für Autoren ist sowohl ein konzeptionelles als auch ein technisches Umdenken erforderlich. Konzeptionell neue Fragestellungen sind etwa: Wie bereite ich die zu vermittelnden Informationen auf? Welche Medientypen verwende ich? Wie verbinde ich die einzelnen Informationseinheiten miteinander? Welche Interaktionsformen unterstütze ich wie an welcher Stelle? Wie gestalte ich das Layout? Unter technischen Aspekten muß sich ein Autor mit Problemen auseinandersetzen, die inhärent mit den neuen Medien verbunden sind, wie Synchronisation und Datenkompression (siehe [Ste93]). Das Schreiben eines Buches verlagert sich damit immer mehr zu einem größeren Softwareentwicklungsprozeß, an dem nicht nur der Autor sondern darüberhinaus Informatiker, Psychologen, Graphik-Designer und Medien-Spezialisten involviert sind.

In diesem Artikel wird untersucht, welche Ergebnisse des traditionellen Software-Engineerings für die Multimedia-Softwareentwicklung genutzt werden bzw. werden könnten. Dazu werden im nächsten Abschnitt zunächst einige wichtige Aspekte des Software-Engineerings eingeführt. Im dritten und vierten Abschnitt folgt die Vorstellung existierender Vorgehensmodelle für die Multimedia- bzw. Hypermedia-Entwicklung. Abschnitt 4 befaßt sich mit speziellen Multimedia-Entwicklungswerkzeugen. Der Artikel endet mit einer Bewertung der aktuellen Situation der Multimedia-Softwareentwicklung.


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Dietrich Boles
Thu Oct 2 10:25:31 MET DST 1997