Vollständige CASE-Tools für Multimedia-Applikationen sind dem Autor
nicht bekannt. Im Entwicklungsprozeß eingesetzt werden heutzutage
hauptsächlich medientypspezifische Konstruktionswerkzeuge wie Audio- und
Videoeditoren sowie
Autorensysteme
.
Letzteres sind Entwicklungswerkzeuge
für Multimedia-Anwendungen, die graphisch-interaktive Editoren für
den technischen Erstellungsprozeß zur Verfügung stellen [Bol95].
Durch den Einsatz von Techniken der visuellen Programmierung
wird es auch Nicht-Programmierern ermöglicht, interaktive multimediale
Anwendungen zu entwickeln. Im Hinblick auf den gesamten Entwicklungsprozeß
von Multimedia-Software unterstützen Autorensysteme allerdings im
allgemeinen ausschließlich die Implementierungsphase und insbesondere
nicht die Analyse- und Entwurfsphase.
Autorensysteme lassen sich auf der Grundlage der verwendeten Metaphern für die Spezifikation zeitlicher Beziehungen zwischen den einzelnen Informationseinheiten klassifizieren. In frame-basierten Autorensystemen, wie HyperCard und Toolbook, werden die zu präsentierenden Objekte auf Flächen angeordnet, die als Frames, Karten, Seiten, Fenster oder auch Dias bezeichnet werden und im Prinzip einen Bildschirm repräsentieren, wie ihn ein Benutzer während der Präsentation für einen bestimmten Zeitraum zu sehen bekommt. Timeline-basierte Autorensysteme, wie Macromedia Director, zeichen sich durch den Einsatz von Zeitachsen aus, auf denen die Informationsobjekte symbolisch angeordnet werden, womit der zeitliche Verlauf der Präsentation festgelegt wird. Flowchart-basierte Autorensysteme, wie Authorware Professional, sind dadurch gekennzeichnet, daß die Informationsobjekte -- durch Ikonen repräsentiert -- in Flußdiagrammen durch Kanten miteinander verbunden werden, die den möglichen Verlauf der Anwendung widerspiegeln. Während die frame-basierten Autorensysteme eher für die Erstellung statischer Hypermedia-Anwendungen verwendet werden, eignen sich timeline-basierte Autorensysteme gut für die Entwicklung dynamischer hochgradig interaktiver multimedialer Anwendungen. Flowchart-basierte Autorensysteme werden häufig für die Erstellung multimedialer Lehr-/Lernsoftware eingesetzt.
Der Entwurf eines CASE-Tools namens RMCase für Hypermedia-Applikationen wird in [DI95] beschrieben. RMCase basiert auf der RM-Methodologie (RMM, siehe vorhergehender Abschnitt) und ist selbst als Hypermedia-Applikation realisiert. Für jede der sieben Entwicklunsgphasen von RMM existiert in RMCase ein spezieller graphisch-interaktiver Editor, der die Bearbeitung der in der jeweilgen Phase anfallenden Aufgaben unterstützt. Die einzelnen Editoren sind durch Hyperlinks miteinander verbunden, so daß der Entwickler schnell zwischen den einzelnen Phasen wechseln kann.
In [LCD
96] werden Werkzeuge beschrieben, die das im EPK-fix-Projekt
entwickelte Vorgehensmodell für multimediale elektronische
Produktkataloge (siehe oben) unterstützen. Das Werkzeug RASSI
ermöglicht die Erfassung von natürlichsprachigen Informationen und
Medienmaterialien, die bei der Vorstudie und der Anforderungsanalyse
anfallen, auf der Basis von strukturierten Interviews. Durch das
SASSI-Werkzeug erfolgt das Design des elektronischen Kataloges durch
weitestgehende Umsetzung der Ergebnisse der strukturierten Interviews
in eine Katalogspezifikation in der Spezifikationssprache EPKML.
Das Generierungswerkzeug GASSI verwendet die von SASSI erzeugte
Spezifikation des elektronischen Kataloges, um hieraus gemäß
entsprechender Eingaben eine Visualisierung des Kataloges zu erzeugen.
EPKML wird dabei in Java-Code übersetzt. Das Testwerkzeug TASSI
führt dynamische Tests des erzeugten Kataloges durch und erstellt
hierüber ein Fehlerprotokoll, das durch SASSI in eine korrigierte
EPKML-Spezifikation umgesetzt werden kann.