Multimediale Präsentationsanwendungen bilden einen Teilbereich der
Multimedia-Systeme[Kro94]. Sie
können definiert werden als
,,Programme, die einen Benutzer durch eine Menge
multimedialer Informationen führen`` [AG93].
Interaktive multimediale Präsentationsanwendungen erlauben einem
Benutzer zusätzlich die Beeinflussung des Kontrollflusses und
der Gestaltung der Präsentation.
Wie der Name schon ausdrückt, werden multimediale Präsentationsanwendungen primär in der Produkt- bzw. Firmenpräsentation eingesetzt. Aber auch Applikationen anderer Anwendungsfelder weisen Merkmale multimedialer Präsentationsanwendungen auf. So können multimediale Lehr/Lern-Programme und Computerspiele durchaus als multimediale Präsentationsanwendungen angesehen werden, die sich durch einen hohen Grad an Interaktivität auszeichnen.
Multimediale Präsentationsanwendungen werden häufig von Werbefachleuten oder Designern entworfen, die kaum Programmierkenntnisse besitzen. Diesen Personen müssen daher Software-Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, die die Entwicklung von Präsentationsanwendungen ohne die Verwendung von textuellen Programmiersprachen sondern beispielsweise mit Hilfe visueller Programmiertechniken ermöglichen. Derartige graphisch-interaktive Werkzeuge werden Autorenwerkzeuge oder Autorensysteme genannt [EHV93]. Dementsprechend nennt man die Entwickler, die mit diesen Werkzeugen arbeiten, auch Autoren.
In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von Autorenwerkzeugen auf dem
Markt erschienen.
Hauptkritikpunkte an fast alle existierenden Autorenwerkzeuge
sind ihre fehlende Erweiterbarkeit und Anpaßbarkeit an neue Ein- und
Ausgabetechnologien sowie ihre ungenügende Unterstützung bei der
graphisch-interaktiven Modellierung von
Benutzerinteraktionen. Desweiteren ist in vielen
Autorenwerkzeugen die Verwendung einer Programmier- oder Skriptsprache
unumgänglich, was der eigentlichen Motivation von
Autorenwerkzeugen, daß mit ihrer Hilfe auch Nicht-Programmierer
multimediale Präsentationen entwickeln können, widerspricht.
Hauptziel bei der Entwicklung des IMRA-Modells [Bol94], das in diesem Artikel schwerpunktmäßig vorgestellt wird, war die Lösung dieser Probleme. Das IMRA-Modell selbst ist allerdings kein Autorenwerkzeug, sondern stellt eine konzeptionelle Grundlage für den Entwurf und die Implementierung von Autorenwerkzeugen dar. Das IMRA-Modell besteht aus einem erweiterbaren objektorientierten Formalismus zur Beschreibung und Modellierung interaktiver multimedialer Präsentationsanwendungen sowie einem Algorithmus, der das Verhalten der modellierten Anwendungen beschreibt. Zur übersichtlicheren Handhabung des abstrakten Formalismus wurde aufbauend auf seiner Grundlage eine graphische Notation, die sogenannten Media-Relationship-Diagramme, entwickelt. Mit Hilfe von Media-Relationship-Diagrammen lassen sich interaktive multimediale Präsentationsanwendungen visuell beschreiben bzw. modellieren.
Dem Entwurf des IMRA-Modells ging eine ausführliche Analyse
charakteristischer Merkmale interaktiver multimedialer Präsentationen
sowie ihres Entwicklungsprozesses voraus. Daraus wurden Anforderungen
an Autorenwerkzeuge abgeleitet, die als Basis zur Evaluation existierender
Autorenwerkzeuge dienten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen
flossen in die Modellbildung ein. Sie werden im zweiten
Abschnitt dieses Artikels skizziert. Im dritten Abschnitt werden die
Grundkonzepte des IMRA-Modells erläutert und an Beispielen verdeutlicht.
Der vierte Abschnitt stellt die besonderen Eigenschaften des
auf der Grundlage des IMRA-Modells implementierten Autorenwerkzeugs
FMAD heraus. Abschnitt 5 enthält eine Zusammenfassung und Bewertung
des IMRA-Modells.