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Autorenwerkzeuge

Autorenwerkzeuge unterstützen einen Entwickler bei der Erstellung multimedialer Präsentationsanwendungen. Ausgehend von dem oben beschriebenen Entwicklungsprozeß sollte ein Autorenwerkzeug graphisch-interaktive Layout-Werkzeuge, graphisch-interaktive Strukturierungswerkzeuge, einen Interpreter und einen Codegenerator zur Verfügung stellen. Die Bereitstellung eigener Medienobjekterzeugungswerkzeuge ist nicht dringend erforderlich. Wichtiger ist, daß externe Medienobjekterzeugungswerkzeuge über Schnittstellen mit dem Autorenwerkzeug gekoppelt werden können.

In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von Autorenwerkzeugen auf dem Markt erschienen. Die größten Unterschiede sind im Bereich der Strukturierungswerkzeuge zu finden. Häufig wird dabei lediglich die Modellierung von zeitlichen Beziehungen und von Navigationsinteraktionen unterstützt. Bezüglich der Art und Weise, wie zeitliche Beziehungen zwischen Medienobjekten spezifizierbar sind, können existierende Autorenwerkzeuge in drei Klassen eingeteilt werden: bildschirm-basierte, timeline-basierte und flowchart-basierte Autorenwerkzeuge.

Bildschirm-basierte Autorenwerkzeuge, wie HyperCard [Goo90], ToolBook [Bog92] oder auch ShareME [Vä92], lassen sich dadurch charakterisieren, daß die zu präsentierenden Medienobjekte auf Flächen - Karten, Seiten oder auch Dias genannt - gelegt werden, die im Prinzip einen Bildschirm repräsentieren, wie ihn ein Benutzer während der Präsentation für einen bestimmten Zeitraum zu sehen bekommt. Eine komplette multimediale Präsentationsanwendung setzt sich aus einer Menge solcher Flächen zusammen, die einem Benutzer in einer bestimmten von ihm durch Interaktionen beeinflußbaren Reihenfolge gezeigt werden. Die Menge der Medienobjekte einer Karte bildet dabei ein komplexes Medienobjekt. Navigationsinteraktionen bewirken im allgemeinen einen Wechsel der gerade präsentierten Karte oder Seite. Insbesondere bei den bildschirm-basierten Autorenwerkzeugen sind die Grenzen zu Hypertext/Hypermedia-Systemen häufig fließend.

Timeline-basierte Autorenwerkzeuge, wie MacroMind Director [Lü94], MODE [BHL91] oder Muse [HSA89], sind dadurch gekennzeichnet, daß die Medienobjekte auf einer Zeitachse angeordnet werden, die den zeitlichen Verlauf der Präsentation festlegt. Navigationsinteraktionen implizieren im allgemeinen einen Zeitsprung.

In flowchart-basierten Autorenwerkzeugen, wie Authorware Professional [Bre93,Ste93], dem Apple Media Kit [Bre94,Vol94], Eventor [ENK+94] oder XMAD [EH93], werden Medienobjekte in Diagrammen durch Ikonen bzw. Miniaturen repräsentiert. Kanten, die die Ikonen miteinander verbinden, spiegeln den möglichen Verlauf der Präsentation wider. Gehen dabei von einem Objekt mehrere Kanten zu unterschiedlichen Objekten aus, so wird die während der Präsentation tatsächlich ,,durchflossene`` Kante im allgemeinen durch eine Navigationsinteraktion bestimmt. In einigen flowchart-basierten Autorenwerkzeugen (z.B. Authorware Professional) lassen sich Diagramme hierarchisch strukturieren, d.h. bestimmte logisch bzw. funktional zusammenhängende Medienobjekte können zusammengefaßt und in ein externes Diagramm ausgelagert werden. Sie bilden ein komplexes Medienobjekt. Das externe Diagramm wird durch ein spezielles Ikon in seinem ,,Vater-Diagramm`` repräsentiert.

Die meisten Autorenwerkzeuge erzeugen keinen editierbaren sondern unmittelbar ausführbaren Code. Die Programmierphase wird - beispielsweise in HyperCard, ToolBook oder MacroMind Director - durch die Bereitstellung einer speziellen Skriptsprache in die Verbindungsphase integriert. Das bedeutet, daß ein Autor Programmierkenntnisse besitzen muß, was der eigentlichen Motivation von Autorenwerkzeugen, daß mit ihrer Hilfe auch Nicht-Programmierer multimediale Präsentationen entwicklen können, widerspricht. Die Ausgliederung der Programmierphase aus der Verbindungsphase, wie oben beschrieben, ist lediglich im Apple Media Kit realisiert. Sie hat beispielsweise im Bereich von Werbeagenturen den Vorteil, daß ein Werbefachmann mit Hilfe graphisch-interaktiver Layout- und Strukturierungswerkzeuge ohne Programmierkenntnisse einen Prototyp der multimedialen Anwendung erstellen und mit Hilfe des Interpreters bereits testen kann. Anschließend kann er editierbaren Code erzeugen und einen Programmierspezialisten mit dem letzten ,,Feinschliff`` der Anwendung beauftragen.

Neben der mangelnden Unterstützung bei der visuellen Modellierung von beliebigen Beziehungen, insbesondere von Interaktionsbeziehungen, ist die fehlende Erweiterbarkeit um neue Medientypen ein weiterer Kritikpunkt an existierende Autorenwerkzeuge. Insbesondere eine einfache Anpassung an neue Ein- und Ausgabetechnologien ist im allgemeinen nicht gewährleistet.



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Dietrich Boles
Tue Aug 29 10:59:51 MET DST 1995