In nahezu allen großen Software-Projekten werden heutzutage Vorgehensmodelle und Entwicklungswerkzeuge eingesetzt, um die kosten- und termingerechte Durchführung des Projektes und die Entwicklung qualitativ hochwertiger, wartbarer Software zu gewährleisten. Wie Untersuchungen gezeigt haben, ist dies im Bereich der Multimedia-Softwareentwicklung jedoch nicht der Fall, obwohl insbesondere durch die Interdisziplinarität der Entwickler hier hohe Anforderungen an die Projektorganisation gestellt werden. Ein Grund für die derzeitige Situation ist der, daß existierende Vorgehensmodelle nicht uneingeschränkt für die Multimedia-Softwareproduktion eingesetzt werden können. Dringend erforderlich ist es daher, bereits in naher Zukunft geeignete Vorgehensmodelle zu entwickeln und Entwicklungsumgebungen zur Verfügung zu stellen, damit es nicht zu einer Wiederholung der Softwarekrise in der Multimedia-Branche kommt.
In diesem Artikel wird eine Methode zur (Teil-)Automatisierung des Entwicklungsprozesses multimedialer Anwendungen vorgestellt. Hierbei wird die Entwicklung multimedialer Präsentationen und Dokumentationen als ein Transformationsprozeß angesehen, bei dem aus einer graphbasierten formalen Spezifikation des Anwendungsgebietes mit Hilfe von Regelbasen eine Multimedia-Anwendung generiert wird. Zunächst werden in Abschnitt 2 dieses Artikels heutzutage übliche Vorgehensweisen bei der Multimedia-Softwareproduktion analysiert und Vorschläge für multimediaspezifische Vorgehensmodelle und Entwicklungsumgebungen unterbreitet. In Abschnitt 3 wird das Prinzip der transformationellen Softwareentwicklung erläutert, und seine Vorteile werden herausgestellt. Es wird ebenfalls gezeigt, daß sich die Multimedia-Softwareentwicklung in gewissen Teilbereichen als Graphtransformationsproblem interpretieren läßt. Abschnitt 4 stellt das AVALON-System vor, das die Generierung multimedialer Anwendungen aus sogenannten TGraphen ermöglicht, beispielsweise die Generierung multimedialer Firmenpräsentationen aus Geschäftsprozeßmodellen. Mit einer Bewertung des vorgestellten Ansatzes der Multimedia-Softwareproduktion und dem Ausblick auf weitere Aktivitäten unserer Arbeitsgruppe im Bereich der transformationellen Multimedia-Softwareentwicklung schließt der Artikel.