Multimedia ist zum Schlagwort der 90er Jahre geworden. Durch die Integration von Audio und Video können Computeranwendungen in vielen Bereichen interessanter gestaltet und effektvoller eingesetzt werden. Multimediale Lehr- und Lernprogramme erhöhen den Lernerfolg, multimediale Präsentationen im Geschäftsbereich steigern den Verkaufsumsatz, multimedial gestaltete Spiele bringen mehr Spaß und Spannung, multimediale Informationssysteme ermöglichen einen effektiveren Informationsaustausch. Multimedia-Systeme sehen dabei in ihrem Benutzer keinen passiven Konsumenten sondern einen aktiven Teilhaber, der die Anwendungen durch Eingaben beeinflussen kann. Videos lassen sich vom Benutzer starten und stoppen. Je nach Korrektheit der Antworten können Lektionen eines elektronischen Sprachkurses wiederholt oder weiterführende Lektionen gestartet werden. Aus Produkt- bzw. Firmenpräsentationen kann ein Benutzer die Teile auswählen, die ihn gerade interessieren. Farbgebung und Layout der Benutzungsoberfläche, Musiklautstärke oder Geschwindigkeit von elektronischen Spielen lassen sich vom Benutzer dynamisch je nach seinen momentanen Wünschen einstellen.
Auch im wissenschaftlichen Bereich ist ein Umbruch von der papierbasierten zu einer elektronischen Publikationsweise zu erkennen. Ein häufig genannter Kritikpunkt am traditionellen Publikationswesen ist seine Schwerfälligkeit, die sich unter anderem durch die lange Zeitspanne zwischen dem Einreichen eines Artikels bei einer Fachzeitschrift bis zu seiner endgültigen Veröffentlichung äußert. Des weiteren bereitet das exponentielle Wachstum wissenschaftlicher Literatur vielen wissenschaftlichen Institutionen und Bibliotheken heute nicht nur Kosten- sondern auch Platzprobleme. Auf Leserseite wird es immer schwieriger, aus der großen Menge von Publikationen für den eigenen Bedarf relevante Informationen zu finden. Insbesondere durch den Einsatz weltumspannender Rechnernetze und den Aufbau verteilter digitaler Bibliotheken bietet eine elektronische Publikationsweise hier unbestritten ein enormes zeitliches und ökonomisches Rationalisierungspotential. Durch die Möglichkeit der Integration von Audios, Videos und Animationen in elektronische Dokumente kann darüber hinaus eine qualitative Verbesserung der Informationsvermittlung erreicht werden. Über sogenannte Hyperlinks können Dokumente bzw. Dokumentteile miteinander verbunden und Informationsnetzwerke aufgebaut werden, die menschliche Formen der Wissensrepräsentation viel besser widerspiegeln als herkömmliche sequentielle Buchstrukturen.
So vielversprechend solche Szenarien auch klingen, ein Problem dabei ist, daß multimediale Dokumente und Anwendungen erst einmal entwickelt werden müssen. Ihre Erstellung bedeutet insbesondere für Autoren eine veränderte Arbeitsweise. So ist beispielsweise sowohl ein konzeptionelles als auch ein technisches Umdenken erforderlich. Konzeptionell neue Fragestellungen, die sich für einen Autor ergeben, sind: wie bereite ich die zu vermittelnden Informationen auf, welche Medientypen verwende ich, wie verbinde ich die einzelnen Informationseinheiten miteinander, welche Formen der Interaktion des Benutzers unterstützte ich und wie präsentiere ich die Informationen? Im technischen Sinne muß sich ein Autor mit Problemen auseinandersetzen, die inhärent mit den neuen Medien verbunden sind, wie die Synchronisation und Datenkompression.
Die Verwendung konventioneller Programmiersprachen stellt natürlich eine Realisierungsmöglichkeit dar. Sie ist jedoch mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden und nur erfahrenen Programmierern vorbehalten. Nicht-Programmierern müssen Software-Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, die eine einfache und schnelle Entwicklung multimedialer Anwendungen ohne Programmierkenntnisse ermöglichen. Derartige Werkzeuge stellen die Multimedia-Autorensysteme dar, die in diesem Artikel vorgestellt werden. Durch die Benutzung eines Autorensystems kann sich der Entwickler voll und ganz der Aufbereitung der zu präsentierenden Informationen und der Gestaltung der Benutzerschnittstelle der Anwendung widmen und muß sich nicht um programmiertechnische Details kümmern.
Dieser Artikel ist so gegliedert, daß nach dieser motivierenden Einleitung im zweiten Abschnitt Autorensysteme unter verschiedlichen Aspekten charakterisiert werden. Im dritten Abschnitt werden anschließend drei konkrete Autorensysteme etwas genauer vorgestellt. Der vierte Abschnitt enthält eine abschließende Bewertung und einen Blick in die Zukunft. Am Ende des Artikels finden sich eine Reihe von Verweisen auf weiterführende Informationsquellen.