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4. Abschließende Bemerkungen

In diesem Artikel wurden charakteristische Eigenschaften von Multimedia-Autorensystemen analysiert und existierende Systeme exemplarisch vorgestellt. Multimedia-Autorensysteme ermöglichen durch die Bereitstellung graphisch-interaktiver Werkzeuge die Entwicklung interaktiver multimedialer Anwendungen ohne umfangreiche Programmiererfahrung.

Dabei muß jedoch betont werden, daß Autorensysteme nur einen Teil des gesamten Entwicklungsprozesses multimedialer Anwendungen unterstützen. Wie bei der gewöhnlichen Softwareentwicklung werden auch bei der Multimedia-Softwareentwicklung mehrere Phasen durchlaufen. In der Analysephase werden insbesondere funktionale, operative, softwareergomische, designerische, didaktische und psychologische Anforderungen an die zu entwickelnde Anwendung ermittelt. In der Entwurfsphase werden die Anforderungen dann in ein Gesamtkonzept umgesetzt, das in der Implementierungsphase in eine maschinenverständliche Form gebracht wird. Die Testphase dient der Überprüfung der Korrektheit der Implementierung und der Erfüllung der gestellten Anforderungen. Autorensysteme unterstützen hier lediglich die Implementierungsphase sowie in Ausschnitten die Entwurfs- und Testphase. Konfigurationsmanagement- bzw. Versionsmanagement-Systeme sind im allgemeinen nicht integriert, kooperative Arbeitsformen werden ebenfalls nicht unterstützt. Autorensysteme stellen also keine vollständigen CASE-Tools (Computer-Aided-Software-Engineering) dar. Insbesondere liegt den Autorensystemen keine vollständige Entwicklungsmethodik zugrunde. Im Gegensatz zu anderen Softwarebranchen scheint eine allgemeingültige Methodik bei der Entwicklung interaktiver multimedialer Anwendungen derzeit auch noch in weiter Ferne zu liegen. Zur Zeit müssen sich Autoren mit vagen Richtlinien und Vorschlägen zufrieden geben, existierende Anwendungen evaluieren oder sich einfach auf ihre Intuition verlassen.

Neben den klassischen Multimedia-Autorensystemen sind in den letzten Jahren eine Reihe von sogenannten Web-Autorensystemen auf den Markt gekommen. Web-Autorensysteme unterscheiden sich von Multimedia-Autorensystemen dadurch, daß sie primär für die Erstellung einzelner bzw. zusammenhängender WWW-Seiten geeignet sind. Sie ermöglichen nicht die Erstellung dynamischer, hochgradig interaktiver Multimedia-Anwendungen. Im Prinzip handelt es sich bei den Web-Autorensystemen meist um graphisch-interaktive HTML-Editoren.

Während die klassischen Multimedia-Autorensysteme bis vor wenigen Jahren ausschließlich die Entwicklung von Offline-Produkten ermöglichten, wird in neueren Versionen häufig eine Anbindung ans Internet unterstützt. Hier reichen die Alternativen von dem einfachen Start eines WWW-Browsers über die Generierung von HTML- und Java-Code, der Bereitstellung eigener Browser-Plug-ins bis hin zur Entwicklung hybrider Multimedia-Anwendungen, die zwar über CD-ROM distributiert werden, aber zur Laufzeit ans Internet gekoppelt sind. Eine zur Zeit spannende Frage sowohl für Autorensystem-Entwickler als auch -Nutzer ist, welche Rolle Java in der Zukunft im Authoring-Bereich einnehmen wird.


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Dietrich Boles
1999-12-09