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Unterabschnitte
Aufgrund fehlender Normierungen und unterschiedlichster Ansprüche
gibt es verschiedenste Soundkarten, die nicht miteinander kompatibel
sind und spezielle Eigenheiten besitzen, speziell auf dem oft
normproblematischen IBM-kompatiblen PC-Markt. Die Funktionsweise
von Soundkarten ist jedoch prinzipiell identisch: Im Computer befindet
sich eine gesonderte Soundkarte (wobei allerdings auch
On-Board-Soundchips in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen könnten),
die entweder über interne Formate oder über standardisierte
MIDI-Daten angesprochen wird. Aufgrund der Wichtigkeit,
der weiten Verbreitung und der großen Menge der
Bearbeitungsprogramme soll hier auf die MIDI-gesteuerte
Klangerzeugung näher eingegangen werden. Die Art, wie die
Klänge erzeugt werden, spielt dabei keine weitere Rolle; es können
Wavetables, FM- oder andere Syntheseverfahren gleichberechtigt
benutzt werden.
6.4.2 MIDI
Da es für Keyboarder ein großer Wunsch war, mit einer Tastatur
und einer Kontrolleinheit alle Keyboards bedienen zu können,
wurde 1983 das Musical Instrument Digital Interface (MIDI)
spezifiziert. Die großen Firmen der Musikindustrie (mehr als 10
Hersteller) stellten eine einheitliche Schnittstelle mit einem
standardisierten Übertragungsprotokoll vor: MIDI ist eine
serielle Schnittstelle mit 31.25 kBit/s, über die externe Klangerzeuger
mit beliegem Syntheseverfahren angesprochen werden.
[Str91]
Folgende Daten können vermittelt werden:
- Taste mit einer bestimmten Geschwindigkeit drücken oder
loslassen
- Pedal
- Controllerdaten (Daten, die den Sound verändern) wie z.B.
Pitch-bend (Tonhöhenveränderung)
- Soundwechsel
- System-exklusive Daten, die die Soundprogrammierung
des spezifischen Klangerzeugers verändern
- Stimmung des Instruments
- Synchronisationsmarken (MIDI-Clock)
Drei Anschlüsse an
Midi-Geräten sind möglich: IN empfängt Informationen, OUT
sendet Informationen und THRU leitet die Informationen des IN
weiter; damit können Geräte in Reihe geschaltet und mit
einem Gerät alle anderen kontrolliert werden. MIDI hat 16 Kanäle zur
Verfügung, womit einzelne Klangerzeuger unterschieden werden
können.
Zum Aufnehmen, Bearbeiten und Abspielen von MIDI-Daten
wurden Sequenzer entwickelt: Geräte, die die Daten in geeigneter
Form verwalten konnten. Mittlerweile haben sich Sequenzerprogramme
für die verschiedenen Computersysteme durchgesetzt, so gab es
beispielsweise im Atari ST schon ab Werk eine eingebaute MIDI-Schnittstelle.
Der MIDI-Standard hat einige Erweiterungen erfahren
[Unk89b]:
- Midi-Sample-Dump (1985):
Die einheitliche Übertragung von Sampledaten über MIDI wird ermöglicht.
- Midi-File-Format (1988):
Daten (insbesondere MIDI-Songs6.3) lassen sich zwischen verschiedenen Sequenzern austauschen.
- General Midi (GM):
Die Idee ist, einmal erzeugte
Songs mit jedem beliebigen Soundmodul6.4
abspielen zu können. Das
Soundmodul muß dazu folgende Eigenschaften besitzen: mindestens
24 Stimmen, festgelegte Klangspeicher (z.B. Klavier liegt auf
Nummer 1, Geige auf Nummer 10, etc.), auf allen 16 Kanälen
müssen unterschiedliche Sounds gleichzeitig zur Verfügung stehen.
Quasi gleichzeitig mit der Einführung von MIDI erschien die erste
MIDI-Schnittstelle für den Commodore C64 auf dem Markt. Beigelegt war
ein einfaches Sequenzerprogramm, mit dem MIDI-Daten aufnehm-
und abspielbar waren. Aufgrund des begrenzten Speichers und der
Rechengeschwindigkeit, die nur eine geringe Auflösung der
Aufnahmen zuließ, wechselten viele Anwender schnell auf andere
Rechnersysteme wie Apple, Atari oder PC. Heutzutage enthält ein
typischer Sequenzer eine graphische Benutzeroberfläche, mehrere
Editoren für Noten, Schlagzeugnoten, Controllerdaten,
gerätespezifische Parameter (System-Exlusive Daten), etc. Auf
der Datenmenge können eine Anzahl arithmetischer und logischer
Operationen durchgeführt werden.
Eine wichtige Funktion ist das Quantisieren: Hierbei wird
versucht, das oft ungenaue Timing der eingespielten Noten
zu korrigieren. Über die Noten wird ein Zeitraster gelegt,
in das die Zeitwerte naheliegendst eingepaßt werden.
Heute muß dem Computer noch der
Zeitwert, auf dem quantisiert werden soll (die Größe des Rasters),
vorgeben werden (Viertel,
Achtel, Sechzehntel, Triolen, etc.). Es ist also nicht
möglich, Viertel und Triolen in einem Arbeitsgang zu
quantisieren. Auch kann sich die Maschine noch nicht an das
Tempo des Musikers anpassen. Der Musiker kann also Tempo und
Tempoänderungen nur am Computer eingeben und sich danach
richten. Durch die gute Übersicht über die Songstruktur und
Cut-And-Paste-Funktionen lassen sich komplette Songs in
kurzer Zeit erstellen.
Viele Anwender wünschten sich eine Möglichkeit, ihre Noten auch
auszudrucken - selbstverständlich mit Dynamik und Tempozeichen -,
ebenso die Möglichkeit, die Noten mit Text zu
unterlegen. War das auf dem C64 noch nicht zufriedenstellend zu
lösen, so sind die heutigen Sequenzer in der Lage, die meisten
Anforderungen an ein Notenbild komfortabel zu erfüllen.
Der Trend geht dahin, daß der Computer als zentrales
Kontrollorgan den gesamten Produktionsprozeß im Aufnahmestudio
steuert.
Zusätzlich zur Kontrolle über die Klangerzeuger und
Sequenzerdaten lassen sich auch Funktionen des Mischpults, der
Effektgeräte und der Mehrspurmaschinen übernehmen.
Wird über MIDI nun die Soundkarte eines Computers angesprochen,
werden die zahlreichen Möglichkeiten, die sich für Studio- und
Homerecording-Aufnahmen anbieten, bei weitem nicht
ausgenutzt, da die Anforderungen in der Regel nur den Bereich
der Musikeinspielung umfassen. Der entscheidende Vorteil gegenüber
Sampling liegt in dem minimalen Datenaufwand. So lassen sich mit
wenigen hundert kByte ganze Stücke einspielen, was einem sehr
kurzen 16 bit-Sample entspricht. Somit ist es bei speicherplatzkritischen
Produktionen vorteilhaft, über MIDI die Soundkarte
anzusprechen. Da es mittlerweile oft keine so großen Probleme mehr
bezüglich des Speicherplatzes gibt (speziell durch den großen
Aufschwung der CD-ROM), ist der Einsatz auch von durchgängigen
Samples in zunehmendem Maße durch
die vergleichsweise uneingeschränkten
Soundmöglichkeiten gerechtfertigt. Häufig werden beide Verfahren
kombiniert, z.B. werden in vielen Spielen die Hintergrundmusik
von der Soundkarte erzeugt und die realistischeren (kürzeren)
Effekte als Samples abgerufen.
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Dietrich Boles
1998-12-23