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Unterabschnitte

6.5 Audio als Komponente multimedialer Anwendungen

6.5.1 Beschaffung von Audiomaterial

Für die Be- bzw. Erschaffung des Audiomaterials gibt es mehrere Möglichkeiten: Wenn ein Programmierer den Audiopart selbständig erstellen möchte, sollte die erste Frage sein, ob er wirklich ausreichend mit Komposition und den aufnahmetechnischen Mitteln vertraut ist bzw. ob diese überhaupt vorhanden sind. Hilfreich ist es für Effekte, sich ein eigenes Soundarchiv anzulegen und vorhandene Sample-CDs zu nutzen. Die Erstellung kann dadurch ganz nach eigenen Vorstellungen erfolgen, immer in Abhängigkeit von der Fähigkeit, die Ideen umzusetzen. Bei der zumeist teuren Beauftragung von professionellen Lohnkomponisten, Tonstudios oder Künstleragenturen sind sehr gute Ergebnisse zu erwarten - jedoch nur, wenn die Absprache genau genug erfolgt. So sollte der Auftrag so ausführlich wie möglich erfolgen, mit konkreten Vorstellungen vom Ergebnis. Dabei sind Vergleiche mit bestehenden Musikstücken oder Sprechern von großer Hilfe, ebenso Stimmungen und Gefühle, die ausgedrückt oder erzeugt werden sollen. Die Verwendung von Originaldokumenten ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, den Benutzer anzusprechen, z.B. durch eine bekannte Sprachpassage wie ,,Ich bin ein Berliner`` von J. F. Kennedy. Bei Musik tritt hier jedoch das große Problem der GEMA-Gebühren zu Tage, da jedes Werk rechtlich geschützt ist, welches durch die GEMA verwaltet und überprüft wird. Um Rechte für bestehende Stücke zu erhalten, ist ein enormer Geldaufwand nötig, was in den seltensten Fällen in Frage kommen dürfte. Darüber hinaus gibt es aber auch CD(-ROM)s mit GEMA-freien Musikstücken, d.h. daß Stücke, ohne Gebühren an die GEMA zu zahlen, frei zur Verfügung stehen. Dies ist eine kostengünstige Alternative, mit der qualitativ hochwertige Aufnahmen benutzt werden können - mit dem Nachteil, daß keine Vorgaben realisiert werden, sondern das Bestmögliche aus einer vorgegebenen Menge herausgesucht wird. Besonders für Prototypen lohnt sich diese Art der Erstellung der Audiospuren [ME95].

6.5.2 Integration von Audiodaten in Multimedia-Anwendungen

Entwickler von Multimedia-Anwendungen neigen leicht dazu, dem Audio-Bereich einen zu geringen Stellenwert einzuräumen. Musik und Earcons haben schnell den Anschein, eigentlich nur Beiwerk zum wirklich Wesentlichen zu sein, da sie oft nur redundante oder unwichtige Information enthalten. Ein Problem mag sein, daß es nur wenige Anwendungen gibt, bei denen Sound wirklich gut eingesetzt wird. Es ist leicht, einige lustige Effekte einzusetzen, die spontan Begeisterung auslösen. Bei längerer Benutzung wirken sie jedoch nur noch störend. So ist es nicht selten, daß die Möglichkeit zur Stummschaltung häufig benutzt wird. Daraus ergibt sich die allgemeine Regel, daß Sound möglichst sparsam und bedacht eingesetzt und wohlweislich geplant werden sollte. Um den Ablauf zu erstellen, kann es sinnvoll sein, Graphik und Sound in einen gemeinsamen Plan einzubetten. Existiert ein Storyboard, in dem Schlüsselszenen der visuellen Gestaltung in ihrem Ablauf skizziert sind, können parallel dazu Musik, Sprache und Effekte vorgegeben werden. Dieser Planung ist große Beachtung zu schenken, da sich alle weiteren Ausführungen auf die hier festgelegten Grundideen beziehen.

Weiterhin sind auch Leerlaufzeiten auf sinnvolle Audiounterstützung zu untersuchen; beispielsweise kann ein Signalton anzeigen, daß das Programm lädt oder in einer Berechnung steckt und nicht abgestürzt ist. Ebenso sind auditive Navigationshilfen denkbar.


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Dietrich Boles
1998-12-23