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Unterabschnitte
Videofilme zu drehen stellt sich mit den modernen Cameras und Camcordern für Niemanden
mehr als großes Problem dar. Häufig ist es aber notwendig, aufgenommene Filmsequenzen
in eine logische und verständliche Reihenfolge zu bringen. Der Schmalfilmer nennt diesen
Vorgang ,,Schneiden``. Gegenüber dem Videofilmer hat er einen entscheidenden Vorteil.
Er kann sich bei Bedarf jedes Bild einzeln anschauen und mit Schere und Klebepresse
exakte Bildschnitte machen, ohne daß die Bilder an Qualität verlieren.
In Anlehnung an diesen Vorgang wurde beim Videofilm der Begriff des Schneidens übernommen,
um aber auf die veränderte Art der Technik hinzuweisen, nennt man es hier
,,Elektronisches Schneiden``. Zwar kann man auch hier Sequenzen an einen Videofilm
anfügen (Assemble) oder in einen Videofilm einfügen (Insert), aber es muß, bedingt
durch das grundsätzlich andere Aufnahmeverfahren, auf einem anderen Weg geschehen.
Schlechte Sequenzen ausschneiden und den Film einfach wieder zusammenkleben, das ist mit der
Videotechnik nicht möglich.
Für den elektronischen Schnitt sind mindestens zwei Videorecorder notwendig. Bedingt durch
die verschiedenen Hochlaufzeiten - der Zeitraum, den der Recorder braucht, um die Videocasette
auf eine konstante Abspielgeschwindigkeit zu bringen- ist es äußert schwierig, Videofilme manuell
zu schneiden. Um Bildstörungen oder Aussetzer und ähnliches zu vermeiden, werden heute
Schnittsteuergeräte (auch Schnittcomputer genannt) eingesetzt.
Jeder Camcorder und fast auch jeder Videorecorder ist heute mit einer Assemble-Schnitt-Elektronik
ausgestattet. Von ihr werden alle notwendigen Schritte, wie das Band etwas zurückspulen,
damit beim Erreichen der Schnittstelle das Band die richtige Geschwindigkeit besitzt,
Synchronisation und Start des Einspielvorgang. Der Insert-Schnitt ist ein Ausstattungsmerkmal,
das noch nicht von allen Geräten unterstützt wird.
Mit Hilfe der Schnittsteuergeräte, die zwischen Wiedergabe- und Aufnahmerecorder geschaltet
werden, können nun diese Aufgaben automatisch erledigt werden. Um auch hier die Bilder exakt
ansteuern zu können, werden Codierungen eingesetzt, die jedes Bild mehr oder weniger genau
definieren. Die Genauigkeit bezieht sich auf die Art der Codierung. Werden die Bandlaufwerke
als Zähleinheit herangezogen, so können sich beim schnellen Vor- oder Rücklauf Verschiebungen
ergeben, die vom Schnittsteuergerät nicht erfaßt werden. Als gute Codierungen haben sich der
SMPTE-Timecode und der Rapid-Timcode erwiesen, bei dem jedem Bild eine Kennziffer bestehend
aus Stunden-, Minuten-, Sekundenangabe und Einzelbildnummer zugewiesen wird, welche bei der
Aufzeichnung schon mit abgespeichert werden.
Um Videos am Rechner bearbeiten zu können, bedarf es für diesen Zweck konzipierter Hilfsmittel.
Daher soll an dieser Stelle kurz ein Vertreter dieser Gattung vorgestellt werden. Premiere
von Adobe war das erste Programm, welches für diesen Zweck konzipiert wurde. Seinerzeit nur
für den Macintosh-Rechner, aber mittlerweile auch als Windows-Version verfügbar.
Mit Premiere ist es möglich, verschiedene Videosequenzen in beliebiger Reihenfolge zusammen
zu schneiden. Dabei wird der Kreativität freien Lauf gelassen. So kann z.B. zwischen zwei Sequenzen
ein Übergang (Transition) definiert werden, wobei aus einer Liste mit zahlreichen vordefinierten Übergängen
ein passender auswählt wird.
Weiterhin lassen sich verschiedene Filter auf die Videos anwenden, wodurch sich Videos, wie
aus der Bildbearbeitung vielleicht bekannt, verändern lassen.
Das Programm beinhaltet ebenfalls einen eigenen Audioteil, mit dem sich die Audiospuren der
einzelnen Videosequenzen bearbeiten lassen. Dadurch lassen sich Videos auch zu einem späteren
Zeitpunkt noch exakt nachvertonen.
Durch den Import von Bildern lassen sich auf einfache Weise auch Vor- und Abspänne in eine
Videoproduktion integrieren.
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Dietrich Boles
1998-12-23