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Unterabschnitte
Nachdem in den ersten Kapiteln erläutert wurde, welche grundlegenden Konzepte und Techniken zur
Videoaufzeichnung benutzt werden, soll nun erklärt werden, welche Gründe für eine Digitalisierung
sprechen und was dabei zu beachten ist.
Während sich Videofilme auch auf konventionelle Art und Weise schneiden lassen, durch
Überspielen von einem Videorecorder auf einen zweiten (linearer Schnitt), oder falls noch Effekte
wie z.B. das Einfügen von Titelbildern oder Transitionen gewünscht wird, auch von zwei Videorecordern
auf einen dritten, so eröffnet die Möglichkeit, Videos digital zu schneiden (non-linearer Schnitt),
eine Menge an neuen Möglichkeiten und Vorteilen.
So kann beim digitalisierten Video jedes Bild einzeln angesprochen und bearbeitet werden. Einzelne
Bilder können zwar auch beim linearen Schnitt angesprochen werden, setzten aber voraus, das
die Videorecorder mit Timecodes ausgestattet sind, die jedes Bild auf dem Videoband exakt
definieren. Zudem lassen sich Überblendeffekte und ähnliches nur durch teure Zusatzhardware
realisieren. Und ein nicht zu verachtender Vorteil ist die immer gleichbleibende Qualität der Kopie
von Generation zu Generation, welche von keinem System erreicht wird, das auf analoger
Signalverarbeitung basiert.
Ein Problem bei der Digitalisierung von Videos ist die verschiedenartige Darstellung von
Bildern am Fernsehbildschirm und am Computermonitor. Letzterer arbeitet mit einem RGB-Signal,
bei dem auf drei getrennten Leitungen der jeweilige Pegel für die rote, grüne und blaue
Farbkanone des Monitors übertragen wird. Zur Synchronisation der Zeilen- und Bildfrequenz
gibt zusätzlich je eine weitere Leitung. Inzwischen ist auch Standard, daß Computermonitore
im Non-interlaced-Modus arbeiten. Dies bedeutet, daß jedes Bild Zeile für Zeile auf den
Bildschirm geschrieben wird. Dabei schaffen moderne Monitore heute 70 und mehr Bilder pro
Sekunde, wodurch der Eindruck eine flimmerfreien Bildes erzeugt wird.
Im Gegensatz dazu arbeiten Fernsehbildschirme mit einem qualitativ wesentlich minderwertigerem
Signal. Es wird zwar auch mit einem RGB-Signal fungiert, aber um zum alten Schwarz-Weiß-System
der ersten Fernsehjahre kompatibel zu bleiben, mußte ein System gefunden werden, bei dem alle
drei Farbwerte in ein einziges Signal zusammengepackt werden, damit auch Schwarz-Weiß-Fernseher
dieses Signal verarbeiten können. Diese Signalform trägt die Bezeichnung ,,FBAS`` (Farb-, Bild-,
Austast- und Synchronsignal) oder auch ,,Composite``.
| Merkmal |
Video |
Computergrafik |
| Auflösung (Bildpunkte) |
768x576 |
bis zu 1600x1200 |
| |
CCIR-Norm |
|
| Bildwiederholfrequenz |
50 Hz |
bis zu 120 Hz |
| Videobandbreite |
5 MHz |
bis 150 MHz |
| Ansteuerung |
FBAS-Signal |
RGB-Signal mit |
| |
|
gesonderter Synchronisation |
Zur Weiterverarbeitung im Computer muß das analoge Videosignal in exakt definierte digitale
Information umgewandelt werden. Dies geschieht ähnlich wie die Bilderfassung mit einem Scanner.
Jedes Videobild wird eingeteilt in ein Netz aus gleich großen und präzise ausgerichteten Feldern,
durch Überlagerung eines feinen Rasters aus horizontalen und vertikalen Linien. Jedes dieser
Felder stellt damit einen Rasterpunkt dar. Jeden Rasterpunkt (auch Bildpunkt oder Pixel genannt)
ist definiert durch Helligkeits- und Farbinformationen. Aus diesen wird ein Mittelwert gebildet,
der dem Rasterpunkt zugewiesen wird. Der Unterschied zum Scanner besteht nun einfach darin, daß
kein sichtbares Bild, sondern nur virtuelle Bildinformationen aufgerastert werden. Virtuell
bedeutet in diesem Zusammenhang, das nicht das wirkliche Bild sondern das durch elektrische
Signale auf dem Videoband repräsentierte Bild gescannt wird.
Um Videos zu digitalisieren, gibt es zur Zeit zwei Möglichkeiten. Zum einen den Einsatz
von Frame-Grabbern, die jedoch nur Einzelbilder digitalisieren können, also zur Aufzeichnung
von Filmsequenzen ungeeignet sind, zum anderen die Real-Time-Grabber. Sie sind in der Lage
Bilder genauso schnell zu digitalisieren, wie sie vom Videorecorder geliefert werden, also
in Echtzeit (engl. realtime). Dies bringt jedoch erheblich Anforderungen an die Hardware mit
sich. Die digitalisierten Bilder müssen gespeichert und dazu über den Bus des Rechners auf die
Festplatte übertragen werden, um für eine spätere Bearbeitung auch zur Verfügung zu stehen.
Das würde bei einem vollauflösenden Bild mit voller Farbdichte und 25 Bildern pro Sekunde
bedeuten, daß die Festplatte eine Transferrate von etwa 40 MByte/s bewältigen müßte.

Diese Werte werden zur Zeit noch von keinem Übertragungssystem erreicht.
Um dieses Problem zu lösen, werden zwei verschiedene Strategien zum Einsatz gebracht. Zum
einen wird heute bei Real-Time-Grabbern niemals die volle Auflösung digitalisiert und zum
anderen bedient man sich effektiver Komprimierungsalgorithmen, die in Echtzeit die anfallende
Datenmenge auf ein Minimum reduzieren. Für den Videobereich haben sich zwei Verfahren etabliert.
Einmal das Motion-JPEG-Verfahren, wodurch die Transferrate auf circa 400 KByte/s verringert
werden kann und zum zweiten das MPEG-Verfahren. MPEG steht für ,,Motion Picture Expert Group``,
einer Vereinigung, die sich darauf spezialisiert hat, bewegte Bilder zu komprimieren. Dabei
werden bei zwei aufeinanderfolgenden Bildern lediglich die Bildänderungen gespeichert. Dadurch
braucht ein MPEG-Video lediglich die Hälfte bis ein Drittel des Speicherplatzes, den ein
Motion-JPEG Video benutzt.
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Dietrich Boles
1998-12-23