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Unterabschnitte

  
8.2 Klassische Animationstechniken

8.2.1 Dynamik in stehenden Bildern

Der Eindruck eines dynamischen Vorgangs muß nicht immer an ein zeitkontinuierliches Medium gebunden sein. Schon ein einzelnes Bild kann viel über Zustandsänderungen einer Szene aussagen. Einige Techniken, in stehenden Bildern Dynamik zu erzeugen, werden hier vorgestellt: Beim Erstellen eines Bildes muß der Zeichner natürlich die Gesetze der Perspektive und die Naturgesetze, wie Schwerkraft und Trägheit der Körper, beachten. Dies gilt sowohl in einem Film wie auch in einzelnen Bildern.

8.2.2 Der Zeichentrickfilm

Der Zeichentrickfilm bietet aufgrund seiner inzwischen langen Geschichte ein breites Repertoire an Animationstechniken. Die einfachste Art, eine Szene zu erstellen, besteht darin, jedes einzelne Bild komplett zu zeichnen und abzufotografieren. Die in der Videotechnik vorgegebene Anzahl von 24 Bildern pro Sekunde dient als Richtlinie für Planung und Berechnung der einzelnen Bewegungsabläufe. Dabei genügt es allerdings zwölf Zeichnungen pro Sekunde zu erstellen, die dann jeweils zweimal abfotografiert werden. Dies reicht aus, um dem Zuschauer eine fließende Animation zu bieten. Bevor mit der Erstellung des Zeichentrickfilms begonnen werden kann, sind Vorarbeiten zu leisten. Der Inhalt des Films wird in einem Drehbuch festgehalten. Das Drehbuch beschreibt jedoch nur rein textuell die Handlung. Für die Regie ist ist jedoch notwendig einen zeitlichen Ablaufplan mit visuellen Elementen zu erstellen. Aus dem Drehbuch wird darum ein Storyboard erstellt, in dem entlang einer Zeitleiste die Handlungsführung, Szenenwechsel und Kamerabewegungen aufgeführt sind. Anhand der Zeitleiste kann dann genau berechnet werden, wieviele Phasen für eine Bewegung gezeichnet werden müssen. Außerdem werden Charakterzüge und Mimik der Figuren sowie grobe Landschaftsskizzen entworfen. Der genaue Aufbau und die Vorteile des Storyboards werden in Kapitel 8.3 beschrieben. Das Storyboard ist sowohl für die Regie, als auch für die Zeichner und und den Kameramann wichtig. Deshalb wird das Storyboard in ein Layout für die Zeichner und einen Fahrplan für den Kameramann aufgeteilt: Aus diesen Vorarbeiten kann dann je nach Anspruch des Filmes von einer einfachen Strichzeichnung bis hin zur kolorierten Fassung mit mehreren Hintergründen und Panoramen, Musik, Sprache und Geräuschuntermalung alles erstellt werden. Um die Zeichenarbeit jedes einzelnen Bildes zu reduzieren, werden verschiedene Methoden benutzt. Der Hintergrund, der nur einmal zu zeichnen ist, wird von den animierten Objekten getrennt. Das Objekt kann wieder aufgeteilt werden. So wird zum Beispiel der statische Rumpf von den Gliedmaßen getrennt, um den Rumpf nicht bei jedem Bild mitzeichnen zu müssen. Viele Animationen sind periodisch, d.h. daß die Szene aus wenigen Phasen besteht, die sich fortlaufend wiederholen. Ein laufender Mensch kann beispielsweise aus wenigen Phasen zusammensetzt werden, die dann nacheinander über einen Hintergrund bewegt werden. Für wellenartige Bewegungen, wie Rauch, Wasser, etc., müssen meistens nur drei bis sechs Phasen gezeichnet werden. (Siehe Abb.8.2)
  
Abbildung 8.2: Periodische Bewegung durch Phasenwechsel
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\centerline{\epsffile{./zeichnungen/phasen.mk.ps}}
\end{figure}

Die verschiedenen Objekte und Hintergründe werden auf Folien gezeichnet, die beim Abfotografieren auf einem speziellen Tricktisch von hinten beleuchtet werden, um einen höheren Kontrast zu bewirken. Zusätzlich können mehrere Lichtquellen eingesetzt werden, um bessere Farbsättigung und Beleuchtungseffekte zu erzielen. Wichtig ist, daß Folien und Kamera am Tricktisch fixiert sind, damit es keine unbeabsichtigten Verschiebungen und später keine unbeabsichtigten Bewegungen im Film gibt. Die Folien, die die verschiedenen Phasen einer Animation darstellen, werden hintereinander auf den Hintergrund gelegt und abfotografiert. Außerdem können die Folien dabei verschoben werden, um eine Bewegung zu erzeugen. Neben der Bewegung des Objektes kann auch ein Panorama hinter den Figuren stückweise bewegt werden. Später im Film erscheint es so, als ob sich die Figur entlang einer Landschaft bewegt. Durch die Verwendung mehrerer Folien übereinander (Siehe Abb.8.3) läßt sich eine dreidimensionale Szene vortäuschen. Eine Folie, der Horizont, bleibt während der Aufnahme unbewegt. Weiter entfernte Gegenstände, z.B. ein Gebäude, bewegen sich langsam. Nahe Objekte wie die Hauptfiguren werden dementsprechend schneller bewegt.
  
Abbildung 8.3: Benutzung verschiedener Folien um 3D-Effekte zu erzielen
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\centerline{\epsffile{./zeichnungen/ebenen.mk.ps}}
\end{figure}

Zeichentrickfilm läßt sich einfach mit Realszenen verbinden. Die Hintergrundbeleuchtung des Tricktisches wird dabei durch einen Spiegel ersetzt, auf dem der Realfilm projiziert wird. Die Folien werden dann auf den Tricktisch fixiert und bilden so eine Einheit mit dem Realbild. Eine praktische Anleitung zum Bau eines Tricktisches, sowie viele Anregungen und Bilder zum Abzeichnen finden sich in [dMA74,Rum81].

8.2.3 Der Animationsfilm

Um Plastilinpuppen, Einrichtungsgegenstände oder sonstige starre Gegenstände zu bewegen, bedarf es einer genauen Planung der Bewegungsabläufe. Objekte und Kamera müssen millimetergenau für jede Aufnahme verändert werden. Wichtig dabei ist, daß die Veränderungen gleichmäßig geschehen. Im Gegensatz zum Zeichentrickfilm, in dem das Ergebnis schon anhand der Folien im voraus zu kontrollieren ist, liegt die Hauptarbeit hier beim Abfotografieren. Soll der Film animierte Gegenständen und Schauspielern gleichzeitig enthalten, bedeutet es für die Darsteller eine besondere Anstrengung an Körper und Disziplin. So muß der Darsteller mehrere Minuten in einer bestimmten Stellung verharren und darauf warten, bis Kamera, Beleuchtung und Objekte für die nächste Aufnahme verändert wurden. Verändert der Schauspieler seine Position oder Mimik, muß oft die gesamte Szene von vorne gedreht werden, da die ursprüngliche Position mit allen Einzelheiten nur schwer wiederhergestellt werden kann. Ist die Arbeit zwischen Zeichner, Regisseur und Kameramann beim Zeichentrickfilm in zeitliche, voneinander unabhängige Phasen unterteilt, so müssen beim Animationsfilm alle Beteiligten gleichzeitig zusammenwirken. Der große Vorteil dieser Art des Filmens liegt in der vollständigen Dreidimensionalität der Szenen. Allerdings ist die Animation fast nur auf Bewegung beschränkt. So können Farbwechsel, Größen- und Formänderungen starrer Objekte nur schwer realisiert werden. Genaue Anleitungen zur Herstellung von Puppen und Kameratechniken des Animationsfilms können in [dMA74] nachgelesen werden.
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Dietrich Boles
1998-12-23