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Unterabschnitte

10.6 Existierende Hypertext/Hypermedia-Systeme

Aus dem weiten Feld der Hypertext/Hypermedia-Systeme sollen nun zwei Systeme vorgestellt werden. Die Auswahl dieser zwei Systeme richtete sich nach ihrer Verbreitung. Als erstes wird Apple's HyperCard besprochen. Es wurde seit 1985 in verschiedenen Versionen mit jedem Apple Macintosh ausgeliefert und ist somit das am weitesten verbreitete Hypertext/Hypermedia-System auf Standalone-Rechnern. Als zweites wird das World Wide Web besprochen, das auf dem Internet basiert und damit jedem Anwender mit Internet-Anschluß und Browsing-Werkzeug zugänglich ist. Es ist das größte Hypertext/Hypermedia-System überhaupt.

10.6.1 HyperCard für Apple Macintosh

Apple HyperCard ist ein universelles Hypertext/Hypermedia-System. Es beinhaltet ein Autorensystem und einen Browser. Die Dokumente werden bei Apple HyperCard als Stapel von Notizkarten repräsentiert, siehe Abbildung 10.15, die sich mit der Markup-Sprache Apple HyperTalk manipulieren lassen. Leider ist HyperCard selbst nicht portabel zu anderen Systemen. Allerdings können andere Systeme die Stapel verwenden.


  
Abbildung 10.15: Apple Hypertext/Hypermedia-System
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\centerline{\epsffile{./zeichnungen/apple.tp.eps}}\end{figure}

10.6.1.1 Browsing

HyperCard verfügt nicht über einen graphischen Browser. Außerdem läßt sich bei HyperCard nur eine kleine Anzahl von Knoten im Browser anzeigen. Die kleine Anzahl von Knoten unterwirft die Strukturierung des Hypertextes starken Einschränkungen. Der Browser bietet keine Möglichkeiten, Filter zu benutzen und unterstützt weder persönliche Annotationen noch individuelle Links, sondern nur die Navigationsmöglichkeit über die Anker.

10.6.1.2 Autorensystem

Das Autorensystem unterstützt Textverarbeitungs-, Graphik-, Animations- und Datenbankfunktionen, ist aber qualitativ den jeweiligen Spezialapplikationen unterlegen. Man kann jedoch in HyperCard die externen Peripheriegeräte problemlos integrieren, was auch andere Datenmengen zugänglich macht.

10.6.1.3 Markierungssprache HyperTalk

Die Programmiersprache Hypertalk ist für Programmierer und Autor leicht verständlich und verfügt über detaillierte Fehlermeldungen. Sie ist nicht voll objektorientiert, da sie nur über beschränkte Vererbungsmechanismen verfügt [Ade90].

10.6.2 Das World Wide Web

Die bedeutendste Entwicklung eines Hypertext/Hypermedia-Systems ist das World Wide Web (WWW). WWW ist ein verteiltes Hypertext/Hypermedia-System, in das Informationen jeglicher Art und Weise eingespielt werden können. Technische Grundlage ist das Internet, das weltumspannende Netzwerk. Das World Wide Web wurde 1989 am europäischen Teilchenbeschleunigerzentrum CERN in Genf entwickelt. Dort entstand ein Projekt, das helfen sollte, mit Hilfe des Internet, Forschungsergebnisse und Ideen aktueller und transparenter zur Verfügung zu stellen.

Grundlegende Idee ist es, Informationen auf WWW-Servern bereitzustellen, die dann von einem anderen WWW-Client abgeholt werden können. Die auf den Servern abgelegten Dokumente können Verweise auf andere Objekte enthalten, die auf anderen Servern liegen.

10.6.2.1 Browser

Aus dem großen Angebot von Browsern für das World Wide Web soll hier nunmehr einer kurz beschrieben werden. Da sich die Browser in ihren Fähigkeiten stark ähneln, ist die Beschreibung der Fähigkeiten eines Browser ausreichend.

10.6.2.2 Quarterdeck Mosaic

Quarterdeck Mosaic ist ein World Wide Web-Browser, der Dokumente in der Markierungsprache HTML (Hypertext Modeling Language) präsentiert. Er verfügt über eine Adressverwaltung, sowie ein in einem separaten Fenster befindliches Hilfswerkzeug. Das Hilfswerkzeug verfügt angefangen bei der einfachen Historyliste, bis hin zur Lesezeichen-Menge, die der Benutzer hierarchisch, oder über Kommentar -Verknüpfungen sortieren kann, über alle gängigen Hilfen. Als Retrievalmechanismus steht eine sogenannte Search-Maschine zur Verfügung. Zudem bietet er die Möglichkeit mehrere WWW-Dokumente in verschiedenen Fenstern anzuzeigen. Er ist auf verschiedenen Plattformen erhältlich [Kur95].

10.6.2.3 Markierungssprache HTML

Die Daten im WWW liegen in der Markup-Sprache HTML (Hypertext Markup Language) vor. HTML richtet sich nach dem Standard SGML der ISO. In neueren Versionen verfügt HTML über verschiedene Link-Arten, Markups sowie über weitere Beschreibungsmöglichkeiten eines Hypertext-Dokumentes. Als Beispiel sei die Fülle von Layout-Möglichkeiten genannt, welche in [TS95] beschrieben wurden. Für gängige Textverarbeitungen existieren inzwischen Aufsatzwerkzeuge, mit denen man Dokumente in HTML beschreiben kann.

10.6.2.4 Verweise im verteilten Hypertext/Hypermedia-System WWW

Um einen Verweis auf Objekte setzen zu können, müssen die Zielobjekte eindeutig bezeichnet werden können. Dazu wurde der URL (Uniform Resource Locator) geschaffen, der die Linkziele repräsentiert. URL-Adressen haben beispielsweise die Form:

http://www.w3.org/ Auf diesen Seiten kann die Organisation des WWW eingesehen werden.

Der Umfang der Objekte, auf die verwiesen wird, geht aus der URL nicht hervor [Sim94]. Die Kommunikation zwischen WWW-Server und WWW-Client findet in einem speziellen Protokoll namens HTTP (Hypertext Transfer Protocol) statt. Abbildung 10.16 zeigt den Vorgang einer Übertragung eines Dokuments im WWW. Der WWW-Client fordert ein Dokument im HTTP-Format an, welches der Server in HTML an den Client übermittelt [Sim94].


  
Abbildung 10.16: Browsen im WWW
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\centerline{\epsffile{./zeichnungen/www.tp.eps}}\end{figure}


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Dietrich Boles
1998-12-23