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Unterabschnitte

   
15.3 Die Protokolle

Im folgenden sollen bestehende Protokolle kurz erläutert und ihre Fähigkeiten, kontinuierliche Daten zu übertragen, beschrieben werden. Dabei stehen die Zugriffsmechanismen und Bandbreiten im Vordergrund. In einigen Fällen können leichte Modifikationen die Fähigkeiten kontinuierliche Daten zu übertragen, steigern. In diesen Fällen werden auch diese erläutert.

   
15.3.1 Das Ethernet

Ethernet ist das am weitesten verbreitete LAN. Es umfaßt die Schichten 1 und 2 des ISO/OSI-Modells. Es hat eine Datenübertragungsrate von 10 Mbit/s. Das Ethernet arbeitet nach dem CSMA/CD- Verfahren. Das bedeutet Carrier Sense Multiple Access/Collision Detection. Bevor eine Datenübertragung beginnt, wird der Zustand des Netzes von der sendewilligen Station überprüft. Jede Station darf immer dann senden, wenn in diesem Moment keine andere Station Daten überträgt. Deshalb kann jede Station simultan horchen und senden. Eine sendende Station überprüft hierbei, ob das gesendete Signal gleich dem empfangenden ist. Ist dieses nicht der Fall, so sendet die Station ein Störsignal (Jam-Sequence), um allen anderen Stationen mitzuteilen, daß eine Kollision stattgefunden hat, und stellt dann das Senden ein. Die andere gleichzeitig sendende Station entdeckt dieses Signal und stellt ebenfalls das Senden ein. Jede Station versucht anschließend nach einer zufällig gewählten Zeit, die Übertragung erneut zu beginnen.[Kow94a]

Die Kommunikation kontinuierlicher Daten erfordert die Einhaltung maximaler Ende-zu-Ende- Verzögerungszeiten. Diese kann das Ethernet aufgrund seines zufälligen Zugriffs nicht garantieren. Es gibt jedoch dennoch Möglichkeiten einer Nutzung des Ethernets für kontinuierliche Daten.[Ste95]

Da das Problem im Zugriffsmechanismus liegt, sollte man in diesem Fall ein zusätzliches Protokoll einführen, welches kontinuierlichen Daten Vorrang einräumt. Ein solches zusätzliches Protokoll kann beispielsweise die Übertragung mit verschiedenen Prioritäten zur Verfügung stellen.

15.3.1.1 Datenübertragung mit unterschiedlichen Prioritäten

Das folgende Verfahren ermöglicht die Definition von Datenübertragung mit unterschiedlichen Prioritäten über Ethernet. In Hinblick auf Multimedia wird hiermit allen kontinuierlichen Datenübertragungen eine höhere Priorität zugewiesen als der Kommunikation diskreter Medientypen. Damit ist es möglich, Echtzeitanforderungen zu berücksichtigen. Während beim Ethernet jede Station, sofern über das Netz keine Daten fließen, selber senden kann, muß sie bei der Beachtung von Prioritäten eine vorab definierte Zeitspanne warten. Im Anschluß an diese Zeitspanne wird die Station bei freiem Netz ihre Daten übertragen. Eine Station mit höherer Priorität bekommt eine kleinere Wartezeit zugewiesen als eine mit geringerer Priorität. Beginnt nun eine Station mit höherer Priorität zu senden, so muß diejenige mit geringerer Priorität immer warten, weil das LAN bei Abprüfung des Zustandes von dieser Station (mit ihrer niederen Priorität) schon belegt ist. Jede Station erhält neben dem frühestens möglichen Zeitpunkt des Initiierens einer Übertragung auch einen Grenzwert, d.h. während eines festgelegten Zeitfensters muß die Übertragung beginnen. Ist dieses Fenster abgelaufen, so muß auch eine Station hoher Priorität auf den nächsten Übergang ''Belegt nach frei'' warten. Zu diesem Zeitpunkt werden die Zähler aller Station zurückgesetzt, und es wird auf die jeweiligen Fenster gewartet. Dieser Übergang "Belegt nach freiïst durch das Ende einer Datenübertragung definiert.

Die zeitlichen Abstände von Fenstern benachbarter Prioritäten betragen das doppelte der längsten Übertragungszeit. Dieses Verfahren basiert darauf, daß oft ein Übergang "Belegt nach Freißtattfindet. Deshalb wird eine maximale Setzzeit festgelegt, die länger als die Zeitdauer des Endes des Fensters geringerer Priorität ist. Ist diese Setzzeit ohne einen Übergang in den Zustand Belegt verstrichen, so schickt eine beliebige Station eine informationslose Nachricht über den Bus. Am Ende dieser Nachricht werden alle Zähler neu gestartet. Werden diese Prioritäten in einem Multimediasystem verwendet, so muß der gesamte asynchrone Datenverkehr (d.h.: der Empfänger wartet nicht auf das Eintreffen der Daten, sondern arbeitet während dessen weiter) einer niederen Priorität identifiziert werden. Es kann somit nicht eine beliebige Ethernet-Realisierung in das System integriert werden; jede Station muß sich an diese Konventionen halten.[Ste95]

15.3.1.2 Fähigkeit zur Übertragung multimedialer Daten




 
Tabelle 15.2: Ethernetleistungen und Anforderungen im Vergleich

Audio (Sprache) Video (komprimiert) Video (nicht komprimiert) Ethernet ohne Priorität Ethernet mit Priorität
Datenrate 16-64 Kbit/s bis 1,5 Mbit/s bis 100 Mbit/s 10 Mbit/s 10 Mbit/s
Ende-zu-Ende- Verzögerung bis 250 ms bis 250 ms bis 250 ms nicht kalkulierbar kleiner 250 ms nach Steinmetz
 



Mit dieser Modifikation können die Anforderungen an die Übertragung hinsichtlich der Übertragungsrate und den maximalen Ende-zu-Ende-Verzögerungszeiten (siehe Tabelle 15.2) eingehalten werden. Dabei muß vorausgesetzt werden, daß Videodaten komprimiert werden. Allerdings kann es aufgrund des verwendeten CSMA/CD in der MAC zumindest theoretisch, wenn auch sehr unwahrscheinlich, zu längeren Verzögerungen kommen.

Die Speicher- und Prozessorbelastung durch das Protokoll sind bei den meisten Ethernet-Realisierungen aufgrund der Implementierung in spezieller Hardware gering.

Multicast-Verbindungen sind möglich, da alle Stationen die Fähigkeit besitzen simultan zu horchen und zu senden, Singlecast-Verbindungen sind allerdings die Regel.

Auch ist zu bemerken, daß keine Dienste zur Synchronisation unterschiedlicher Datenströme zur Verfügung gestellt werden, da das Ethernet zur Bürokommunikation mittels diskreter Daten entwickelt worden ist. Synchronisation unterschiedlicher Datenströme ist deshalb von anderen Komponenten durchzuführen.

Da Ethernet nur die Schichten 1 und 2 des ISO/OSI-Modells unterstützt bleibt die Frage der Kompatibilität dem multimedialen Kommunikationsystem selbst überlassen.

Die Übertragung der restlichen Daten wird durch die Übertragung kontinuierlicher Daten, wegen der Vergabe von Prioritäten, beeinflußt.




 
Tabelle 15.3: Zusammenfassung der Ethernetleistungen
Datenübertrag- ungsrate Ende-zu-Ende- Verzögerungs- zeit Garantien Kooperatives Arbeiten Synchroni- sation von Datenströmen Nichtbe- einträchtigung der restlichen Daten- übertragungen
+ + + +    
 



   
15.3.2 Token Ring

Der Token Ring ist ein LAN, das die Schichten 1 und 2 des ISO-OSI-Modells umfaßt und das mit einer Übertragungsrate von 4 oder 16 Mbit/s arbeitet. Token Ring basiert auf einen geordneten Zugriffsmechanismus. Nur bei Erhalt des Senderechtes (des Tokens) darf die jeweilige Station ihre Daten senden. Alle Stationen sind dabei zu einem logische Ring zusammen geschaltet.

Jede Station empfängt, liest und sendet die auf dem Ring zirkulierenden Daten. Dabei gibt sie im allgemeinen nach dem Lesen die jeweilige Nachricht an die Nachbarstation weiter. Jedes Paket enthält die Adresse des Senders (SA) und die Zieladresse (DA). Wenn die Zieladresse mit der eigenen Adresse übereinstimmt, wird die Nachricht in den lokalen Speicher kopiert. Dies wird der lokalen LLC- Komponenete (Logical Link Control) gemeldet, und es wird ein Quittierungsfeld- oder Fehlerfeld entsprechend verändert. Anschließend wird diese Nachricht an die Nachbarstation weiter gesendet. Die sendende Station entfernt die von ihr gesendete Nachricht und interpretiert die Quittierungsfelder. Um Senderecht zu erhalten, muß jede Station das Token erhalten. Dies kann von jeder Station mit einer entsprechenden Priorität (Tabelle 15.4) vorab reserviert werden. Nur die Station mit der höchsten reservierten Priorität erhält somit das Senderecht. Diese Prioritäten, zusammen mit der festgelegten maximalen Umlaufzeit eines Paketes, ermöglichen eine garantierte Datenübertragung kontinuierlicher Medientypen.[Kow94a]




 
Tabelle: Prioritäten im Token Ring [Stein:95]
Priorität Anwendung
0 frei verfügbar, von den meisten Anwendungen verwendet
1-3 frei verfügbar
4 von Bridges verwendet
5,6 reserviert, jedoch nicht verwendet
7 für die Administration des Ringes verwendet

 




15.3.2.1 Fähigkeit zur Übertragung multimedialer Daten




 
Tabelle 15.5: Token-Ring-Leistungen und Anforderungen im Vergleich

Audio (Sprache) Video (komprimiert) Video (nicht komprimiert) Token-Ring Token- Ring
Datenrate 16-64 Kbit/s bis 1,5 Mbit/s bis 100 Mbit/s 4 Mbit/s 16 Mbit/s
Ende-zu-Ende-Verzögerung bis 250 ms bis 250 ms bis 250 ms kleiner 250 ms kleiner 250 ms
 



Das Token-Ring-Protokoll kann die Anforderungen an die Übertragung hinsichtlich der Übertragungsrate und den maximalen Ende-zu-Ende-Verzögerungszeiten (siehe Tabelle 15.5) einhalten. Vorausgesetzt , daß Videodaten komprimiert werden.

Die Speicher- und Prozessorbelastung durch das Protokoll sind bei den meisten Token-Ring- Realisierungen aufgrund der Implementierung in spezieller Hardware gering.

Multicast-Verbindungen sind möglich, da jede Station die Nachricht zunächst empfängt und mit der eigenen Adresse vergleicht, besteht die Möglichkeit die Nachricht zu behalten, Singlecast- Verbindungen sind allerdings die Regel.

Es ist zu bemerken, daß keine Dienste zur Synchronisation zur Verfügung gestellt werden, da das Token-Ring-Protokoll, wie das Ethernet-Protokoll, ebenfalls zur Bürokommunikation mittels diskreter Daten entwickelt worden ist. Synchronisation unterschiedlicher Datenströme ist deshalb von anderen Komponenten durchzuführen.

Da Token-Ring nur die Schichten 1 und 2 des ISO/OSI-Modells unterstützt, bleibt die Frage der Kompatibilität dem multimedialen Kommunikationsystem selbst überlassen.

Die Übertragung der restlichen Daten wird durch die Übertragung kontinuierlicher Daten, wegen der Vergabe von Prioritäten, beeinflußt.




 
Tabelle 15.6: Zusammenfassung der Token-Ring-Leistungen
Daten-übertragungs-rate Ende-zu-Ende-Verzögerungs-zeit Garantien Kooperatives Arbeiten Synchroni-sation von Datenströmen Nichtbe-einträchtigung der restlichen Daten-übertragungen
+ + + +    
 



15.3.3 FDDI

FDDI (Fiber Distributed Data Interface) ist ein von der ANSI (American National Standards Institute) standardisiertes LAN, das eine Übertragungsrate von 100 Mbit/s auf der Basis des Token Ring Protokolls unterstützt. Im ISO/OSI-Modell umfaßt FDDI die Bitübertragungsschicht und die Sicherungsschicht. Die Basis bildet zwei Lichtwellenleiter mit einer geringen Fehlerrate und Dämpfung. Beide Lichtwellenleiter sind in der Lage 100 Mbit/s zu übertragen, jedoch ist der zweite für den Fehlerfall bestimmt.[Kow94a]

Für die Kommunikation multimedialer Daten sind die verschiedenen möglichen Übertragungsmodi von FDDI von Bedeutung. Der synchrone Mode (der Empfänger wartet auf das Eintreffen der Daten) erlaubt eine Reservierung der Bandbreite, der asynchrone Mode (der Empfänger stellt eine Anfrage und arbeitet weiter bis die Daten eingetroffen sind) verhält sich ähnlich zum Token-Ring-Protokoll (siehe Kapitel 15.3.2), jedoch unterstützen heute viele Realisierungen nur den asynchronen Mode. Hinzu kommt der isochrone Mode, welcher nur in FDDI II existiert, er unterstützt die zyklische Übertragung zwischen den Stationen, welche für die Übertragung multimedialer Daten besonders gut geeignet ist. Leider ist FDDI II nicht zu FDDI kompatibel, so daß FDDI-Systeme nicht direkt an FDDI II angeschlossen werden können.[Ste95]

15.3.3.1 Merkmale von FDDI

FDDI unterstützt alle Anforderungen bezüglich der Gruppenadressierung, die in kooperativen Multimedia-Applikationen nötig ist. Also werden Single-, Multicast- und Broadcast-Verbindungen unterstützt. Die Synchronisation zwischen verschiedenen Datenströmen ist nicht Bestandteil des Netzes und ist separat zu lösen. Hier ist insbesondere die Beziehung zwischen synchron (mit Zeitrestriktion) und asynchron (ohne Zeitrestriktion) übertragenden Daten zu beachten. Ein beim Sender bestehender Zeitbezug muß wegen des Timed Token Rotation Protokolls beim Empfänger nicht mehr bestehen. Die Größe der verwendeten Pakete kann direkt die Verzögerung der Daten zwischen zwei Anwendungen beeinflussen, wenn die zu übertragenden Daten in kleinen LDU's vorliegen, da immer soviel Pakete gesammelt werden müssen bis ein FDDI-Paket vollständig ist. Falls nur zwei Stationen zu einem Zeitpunkt kontinuierliche Daten übertragen, kann dafür der asynchrone Mode mit dem Restricted Token verwendet werden. Dies führt zu geringen Ende-zu-Ende- Verzögerungszeiten, es verhindert aber jeden weiteren asynchronen Verkehr auf dem LAN.[Ste95]

15.3.3.2 Fähigkeit zur Übertragung multimedialer Daten




 
Tabelle 15.7: FDDI-Leistungen und Anforderungen im Vergleich

Audio

(Sprache)

Video

(komprimiert)

Video

(nicht komprimiert)

FDDI
Datenrate 16-64 Kbit/s bis 1,5 Mbit/s bis 100 Mbit/s 100 Mbit/s
Ende-zu-Ende-Verzögerung bis 250 ms bis 250 ms bis 250 ms kleiner 100 ms

lt. Spezifikation

 



Das FDDI-Protokoll kann die Anforderungen an die Übertragung hinsichtlich der Übertragungsrate und den maximalen Ende-zu-Ende-Verzögerungszeiten (siehe Tabelle 15.7) einhalten. Videodaten müssen nicht unbedingt komprimiert werden.

Die Speicherbelastung durch das Protokoll sind bei FDDI-Realisierungen wegen der unterschiedlichen Modi gegeben. Werden zum Beispiel Daten zum Teil im synchronen Mode und zum Teil im asynchronen Mode übertragen, so kommen die im synchronen Mode übertragenen Daten früher an und müssen gegebenenfalls zwischengespeichert werden. Der Speicherbedarf ist bei FDDI II isochronen Modus wesentlich geringer.

FDDI unterstützt alle Anforderungen bezüglich der Gruppenadressierung, die in kooperativen Multimedia-Applikationen nötig ist. Also werden Single-, Multicast- und Broadcast-Verbindungen unterstützt.

Die Synchronisation zwischen verschiedenen Datenströmen ist nicht Bestandteil des Netzes und ist separat zu lösen. Hier ist insbesondere die Beziehung zwischen synchron und asynchron übertragenden Daten zu beachten. Ein beim Sender bestehender Zeitbezug muß wegen des Timed Token Rotation Protokolls beim Empfänger nicht mehr bestehen.

Da FDDI nur die Schichten 1 und 2 des ISO/OSI-Modells unterstützt bleibt die Frage der Kompatibilität dem multimedialen Kommunikationsystem selbst überlassen.

Die Übertragung der restlichen Daten wird durch die Übertragung kontinuierlicher Daten beeinflußt, falls die Übertragungen mit Restricted Token den restlichen asynchronen Verkehr unterbindet. Die Übertragung mit Restricted Token ist daher nur unter Vorbehalt zur Übertragung zu verwenden.




 
Tabelle 15.8: Zusammenfassung der FDDI-Leistungen
Daten-übertragungs-rate Ende-zu-Ende-Verzögerungs-zeit Garantien Kooperatives Arbeiten Synchroni-sation von Datenströmen Nichtbe-einträchtigung der restlichen Daten-übertragungen
+ +   +   nur bei restricted Token nicht
 



15.3.4 B-ISDN & ATM

Broadband Integrated Services Digital Network (B-ISDN) hat als Folgeentwicklung das Ziel der Definition einer Anwendungsschnittstelle und des dazugehörigen Weitverkehrsnetzes. Dabei werden Konversations-, Verteil-, Abfrage- und Messaging-Dienste mit verschiedenen Bandbreiten unterstützt, mit dem Ziel verbindungslose und verbindungsorientierte Dienste für die verschiedenen Medien bereitzustellen. Seit 1988 gilt ATM (Asynchonous Transfer Mode) als Grundlage für B-ISDN. Hierbei ist eine Bandbreite von ca. 140 Mbit/s festgelegt.

15.3.4.1 ATM

ATM (Asynchronous Transfer Mode) ist eine paketartige Vermittlung bei der jedes Paket als Zelle bezeichnet wird. Es arbeitet primär verbindungsorientiert mit einer hohen Bandbreite und relativ geringen Verzögerungen. Die grundlegende Idee ist, möglichst alle Funktionen aus dem Netz herauszuholen, um damit ein einfaches, effektives und schnelleres Netz zu erhalten.

Die Bandbreite wird dabei in Zellen mit einer festen Länge aufgeteilt. Jede Zelle besteht aus einem Kopf und den zu transportierenden Daten. Die Zellen werden bei Bedarf allokiert (zugewiesen) und nicht vorab reserviert. Damit ergibt sich die Zuordnung Verbindung zu Zeitscheibe (oder Zelle) nicht aus der Lage im Rahmen, denn jeder Kopf einer Zelle beinhaltet den Namen einer virtuellen Verbindung. Dieser 24-bit lange Virtual Path Identifier identifiziert die virtuelle Verbindung. Eine Zelle hat die feste Länge von 48 Byte.

Die Wegwahl geschieht bei ATM vor der eigentlichen Datenübertragung. Jede Zelle, die zu einer Verbindung gehört, wird auf diesem vorab festgelegten Weg transportiert. Damit geschieht die Übertragung der Daten immer in der richtigen Reihenfolge. Bei ATM wird somit die Belegung der Betriebsmittel nicht 100% garantiert, es sollen jedoch nur unerhebliche Fehler aus diesem Grund auftreten. Außerdem kennt die ATM-Schicht keine Flußkontrolle (solange die Daten nicht behalten werden sollen), die für die Übertragung kontinuierlicher Daten im Gegensatz zu einer Ratenkontrolle auch nicht notwendig ist. Bei jedem Netzübergang in ein ATM-Netz werden die Daten in 48 byte große Zellen gepackt.


  
Abbildung 15.4: Zuordnung von Zeitscheiben in ATM

15.3.4.2 Fähigkeit zur Übertragung multimedialer Daten




 
Tabelle 15.9: B-ISDN/ATM-Leistungen und Anforderungen im Vergleich

Audio

(Sprache)

Video

(komprimiert)

Video

(nicht komprimiert)

ISDN & ATM
Datenrate 16-64 Kit/s bis 1,5 Mbit/s bis 100 Mbit/s 140 Mbit/s
Ende-zu-Ende-Verzögerung bis 250 ms bis 250 ms bis 250 ms bei 48 byte in 140 Mbit/s =

2,616 mu s

 



Das ATM-Protokoll kann die Anforderungen an die Übertragung hinsichtlich der Übertragungsrate und den maximalen Ende-zu-Ende-Verzögerungszeiten (siehe Tabelle 15.9) einhalten. Videodaten müssen nicht unbedingt komprimiert werden.

B-ISDN unterstützt alle Anforderungen bezüglich der Gruppenadressierung, die in kooperativen Multimedia-Applikationen nötig ist. Also werden Single-, Multicast- und Broadcast-Verbindungen unterstützt.

Die Synchronisation zwischen verschiedenen Datenströmen ist nicht Bestandteil des Netzes und ist separat zu lösen.

Da ATM nur die Schichten 1 bis 3 des ISO/OSI-Modells unterstützt bleibt die Frage der Kompatibilität dem multimedialen Kommunikationsystem selbst überlassen.

Die restlichen Datenübertragungen bleiben unbeeinflußt




 
Tabelle 15.10: Zusammenfassung der ATM/ISDN-Leistungen
Daten-übertragungs-rate Ende-zu-Ende-Verzögerungs-zeit Garantien Kooperatives Arbeiten Synchroni-sation von Datenströmen Nichtbe-einträchtigung der restlichen Daten-übertragungen
+ + + +   +
 



15.3.5 TCP/IP

Das TCP/IP-Protokoll entstammt nicht dem ISO/OSI-Modell, sondern wurde von der ANSI standardisiert. Die Abbildung 15.5 zeigt wie sich TCP/IP-Schichten dem ISO/OSI-Modell zuordnen lassen.


  
Abbildung 15.5: TCP/IP vs. ISO/OSI
\begin{figure}
\centerline{\epsffile{./zeichnungen/netze5.tp.eps}}\end{figure}

15.3.5.1 Das IP-Protokoll

Das IP-Protokoll (Internet Protocol) ist im wesentlichen für den Transport der Daten über mehrere Netze und Router zuständig, deshalb wurde es in Abbildung 15.5 auch der Schicht 3 des ISO/OSI- Modells zugeordnet. Die darunterliegenden Schichten werden nicht genauer spezifiziert, es können deshalb beliebige Implementierungen angenommen werden. IP jedoch baut auf einer ungesicherten Leitungsverbindung (d.h. die Gewährleistung der korrekten Übertragung muß in höheren Schichten erfolgen) auf. Die Übertragung erfolgt verbindungslos über Pakete, die im IP Datagramme genannt werden. Jedes Datagramm enthält die komplette Adresse des Empfängers und wird an den jeweils entsprechenden benachbarten Router verschickt, bis das Datagramm den Router des Empfängers erreicht. Auf dem Weg dorthin kann es wegen der oben erwähnten beliebigen Implementierungen vorkommen, das Pakete nochmals fragmentiert (d.h. in kürzere Blöcke zerlegt) werden müssen, da zum Beispiel die Paketgröße von Ethernet kleiner ist als die von FDDI. Diese Fragmentierung wird erst beim Empfänger der Pakete wieder zusammengesetzt. Sollten Fragmente eines Datagrammes verloren gehen, so wird das gesamte Datagramm beim Empfänger gelöscht.

Multicast- und Broadcast-Verbindungen werden im IP über die Adresscodierung ermöglicht.[Kow94a]

Die Wegewahl ist im IP nicht genau spezifiziert und wird in Abschnitt 0 genauer behandelt.

15.3.5.2 Das TCP-Protokoll

TCP (Transmission Control Protocol) ist ein allgemeines Transportprotokoll, es hat folgende Merkmale:

Verbindungorientiert: Zwischen den kommunizierenden Stationen ist vor der Übermittlung von Informationen eine virtuelle Verbindung aufzubauen und nach der Kommunikation wieder abzubauen.

Zuverlässigkeit: TCP garantiert dem Benutzer eine hohe Zuverlässigkeit der Datenübermittelung bezüglich Verfälschung und Verlust von Daten durch ein entsprechendes Protokoll; dieses ist dem Benutzer verborgen

Unstrukturierter Strom: Die Anwendungsprozesse müssen die Struktur ihres Datenstroms selbst vereinbaren und überwachen; TCP unterstützt nicht die Aufteilung der Informationen in anwendungskompatible Datensätze.[Kow94a]

15.3.5.3 Fähigkeit zur Übertragung multimedialer Daten

die Datenübertragungsrate kann auf Grund der unterschiedlich zugelassenen Implementierungen der unteren Schicht des IP-Protokolls nicht gewährleistet werden, da das Fragmentieren der Daten als auch die beliebig vielen Zwischenstationen, welche die Daten bearbeiten vom leistungsschwächsten Glied der Übertragungskette abhängig ist.

Das Gleiche gilt auch für die Ende-zu-Ende-Verzögerungszeit, da zum Beispiel das Ethernet ohne Prioritäten-Protokoll nicht geeignet ist, kontinuierliche Daten zu übertragen. Zudem gilt für TCP/IP, wenn mehrere Netze zu überwinden sind, bevor die Senke erreicht ist, daß sich die Ende-zu-Ende- Verzögerungszeiten addieren.

Die Ressourcen des Zielrechners werden nicht mehr beansprucht als bei der Übertragung diskreter Medien auch

Multicast- und Broadcast-Verbindungen werden durch die Internetadressierung unterstützt.

Die Synchronisation zwischen verschiedenen Datenströmen ist nicht Bestandteil des Netzes und ist separat zu lösen.

Da TCP/IP noch nicht zu den Anwendungsschichten gehört, bleibt die Frage der Kompatibilität dem multimedialen Kommunikationssystem selbst überlassen.

Alle Daten werden wie diskrete Datentypen behandelt, es werden deshalb alle diskreten Daten durch die Übertragung kontinuierlicher Datenströme nicht beeinflußt.




 
Tabelle 15.11: Zusammenfassung der TCP/IP-Leistungen
Daten-übertragungs-rate Ende-zu-Ende-Verzögerungs-zeit Garantien Kooperatives Arbeiten Synchroni-sation von Datenströmen Nichtbe-einträchtigung der restlichen Daten-übertragungen

    +   +
 




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Dietrich Boles
1998-12-23