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Unterabschnitte

5.6 Die Perspektive


Damit in einem zweidimensionalen Bild ein räumlicher Eindruck entsteht, muß er perspektivische Merkmale aufweisen. Es gibt verschiedene Methoden, um auf einer Fläche eine perspektivische Darstellung zu erreichen. Die wichtigsten davon sollen im folgenden erklärt werden. Eine der bekanntesten Darstellungsformen in der Computergrafik ist die Zentralperspektive. Die Zentralperspektive besitzt die Eigenschaft, die abgebildeten Objekte proportional zu ihrer Entfernung von der Bildebene zu verkleinern. D.h. entfernt liegende Körper erscheinen kleiner als näherliegende. Die wesentlichen Elemente der zentralperspektivischen Darstellung sind:
1.
Die Grundlinie, die Schnittlinie von Bildebene und ,,Fußboden`` ist.
2.
Der Horizont, der die Schnittstelle von Bildebene und der waagerechten Ebene, die durch das Beobachterauge geht, ist.
3.
Der Augenpunkt, der in der Mitte des Horizontes liegt.
4.
Die Fluchtpunkte, die meist auf dem Horizont liegen.
In der perspektivischen Darstellung erscheinen nun alle Linien des Raumes, die
  
Abbildung 5.12: Die Zentralprojektion
\begin{figure}
\centerline{\epsffile{./zeichnungen/abb13.ck.eps}}
\end{figure}

Wird der Horizont sehr hoch gewählt, ergibt sich eine Vogelperspektive. Umgekehrt ergibt sich bei sehr niedrig gewähltem Horizont die Froschperspektive. Eine andere Form der räumlichen Darstellung ist die Parallelprojektion. Bei ihr ist das Projektionszentrum unendlich weit entfernt, wodurch die Projektionsstrahlen parallel zueinander liegen. Dadurch ergibt sich eine Darstellung bei der alle im Raum parallelen Linien auch in der Darstellung parallel liegen. Augenpunkt und Fluchtpunkt gibt es hier nicht. Während die Zentralperspektive in fast allen Bereichen der Computergrafik verwendet wird, kommt die Parallelperspektive nur in der Architekturvisualisierung zum Einsatz.

5.6.1 Perspektivische Hilfsmittel

Neben durch die Zentral- und Parallelprojektion hervorgerufenen perspektivischen Wirkung stehen dem Computergrafiker perspektivbildende Hilfsmittel zur Verfügung. Durch diese Hilfsmittel kann der Bildautor den Eindruck von räumlicher Tiefe zusätzlich intensivieren. Die wichtigste Rolle dabei spielen die Luft- und die Farbperspektive. Die Farbperspektive beruht darauf, daß Objekte, die in ,,warmen`` Farben gemalt wurden, dem Betrachter näher zu sein scheinen, als solche in ,,kälteren`` Farben. Am deutlichsten ist der Effekt zwischen Blau und Rot. Rot scheint gegenüber einem bläulichen Hintergrund stark nach vorne zu treten. Dieser Effekt hat psychologische Ursachen. Blau ist die Farbe des Himmels und des weiten, tiefen Meers. Weiter entfernt liegende Motivteile haben zudem für das menschliche Auge eine blauere Färbung als näher gelegene Motivteile. Die Luftperspektive basiert auf der natürlichen Unschärfe, die mit zunehmender Entfernung größer wird. Gegenstände, die weiter entfernt sind, erscheinen unscharf, während ein gleiches Objekt im Vordergrund klare Linien besitzt und sehr scharf konturiert wird. Die Luftperspektive kann in einer zweidimensionalen Darstellung die Räumlichkeit erheblich verstärken.

5.6.2 Die Kameraposition

Die Wahl der Kameraposition in bezug auf das Motiv kann ein wichtiges Ausdrucksmittel der Perspektive sein. Abhängig von der Positionierung werden beim Betrachter Eindrücke wie Frosch-, Vogel- oder Normalperspektive erzeugt. Dabei sind die mit den Perspektiven verbundenen Aussagen sehr unterschiedlich.
  
Abbildung 5.13: links: Froschperspektive, Mitte: Normalperspektive, rechts: Vogelperspektive
\begin{figure}
\centerline{\epsffile{./zeichnungen/abb12.ck.eps}}
\end{figure}

Eine Kameraposition in der Nähe des Bodens vermittelt den Eindruck eines Heraufblicks. Das betrachtete Objekt wirkt dominierend und mächtig. Der Heraufblick (Froschperspektive) eignet sich dazu, Eigenschaften wie Größe oder Kraft hervorzuheben. Steht die Kamera dagegen über dem Objekt, so scheint man auf das Motiv zu blicken. Auf den Betrachter wirkt diese Darstellungsweise (Vogelperspektive) nicht nur sehr übersichtlich, sondern teilweise auch sehr distanziert. Das betrachtete Objekt bekommt einen eher schmächtigen, untergeordneten Eindruck. Ein Kameraposition auf halber Höhe des Motivs vermittelt den Eindruck eines Geradeausblicks (Normalperspektive). Der Geradeausblick ist weit weniger spannungsbetont als der Blick nach oben oder nach unten. Er wirkt vielmehr idealisierend und ausgleichend. Der Bildbetrachter steht mit dem Objekt auf einer Ebene. Eingesetzt wird diese Blickrichtung vornehmlich bei Darstellungen, die sachlich wirken sollen.


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Dietrich Boles
1998-12-23