Es existieren zwei verschiedene Synchronisationsarten, die synthetische Synchronisation und die Live-Synchronisation. Bei der synthetischen Synchronisation geht man davon aus, daß die zu synchronisierenden Informationseinheiten vor der Synchronisaton gespeichert sind. Es müssen Synchronisationsbeziehungen ausgedrückt werden können, die den zeitlichen Ablauf der Anwendung beschreiben. Dies kann mit Hilfe von Operatoren geschehen, welche Informationseinheiten parallel, sequentiell oder zeitlich versetzt anordnen können. Die synthetische Synchronisation wird z.B. bei Lehr- und Lernsystemen oder in Computerspielen eingesetzt. Bei der Live-Synchronisation werden Video- und/oder Audiosignale simultan und damit im Echtzeit-Betrieb übertragen. Diese Synchronisationsart wird z.B. bei Videokonferenzen angewendet.
Die synthetische Synchronisation kann in die Definitionsphase und die Präsentationsphase unterteilt werden. Die Definitionsphase beschreibt temporale Beziehungen zwischen LDU's. Die Präsentationsphase setzt die Synchronisationsbeziehungen um. Die synthetische Synchronisation kann auf unterschiedliche Weise realisiert werden:
In der Definitionsphase kann man zwischen der impliziten und der expliziten Synchronisation unterscheiden. Während die implizite Definition direkt durch das Multimedia-System erfolgt, kommt es bei der expliziten Synchronisation zur Anwendung von Operatoren, die ausdrücken können, ob LDU's sequentiell, parallel oder zeitlich versetzt ausgespielt werden sollen.
Im einfachsten Fall werden fest vordefinierte und damit nicht veränderbare Beziehungen zwischen Informationseinheiten während der Präsentationsphase wiedergegeben. Beziehungen zwischen Informationseinheiten müssen jedoch nicht fest vordefiniert sein. Innerhalb eines Anwenderprogramms ist es jedoch möglich, daß der Benutzer diese Beziehungen interaktiv herstellt. Der Benutzer ist in diesem Fall in der Lage, Beziehungen zwischen Informationseinheiten zur Laufzeit zu definieren.
Die Live-Synchronisation erfordert die Präsentation von Synchronisationsbeziehungen zwischen Datenströmen in exakt derselben Weise, wie sie entstanden sind. Sie findet typischerweise in Konversationsdiensten Anwendung. Meistens entstehen bei der Live-Synchronisation die Synchronisationsbeziehungen unmittelbar vor der Präsentation.
Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit den Varianten der Live-Synchronisation. Es existieren zwei Varianten:
Live-Synchronisation bei örtlichem Versatz: Die Live-Synchronisation bei örtlichem Versatz ist durch einen Transport von Information zwischen Medienobjekten charakterisiert, die sich an unterschiedlichen Orten befinden. Ziel dieser Synchronisationsvariante ist, daß die Senken eine möglichst orginalgetreue Wiedergabe der von den Quellen produzierten Datenströme garantieren. Die Senken sind in der Lage, den Datenfluß zu beinflussen. Dies erfolgt durch eine Anpassung, in der die Senken den Quellen mitteilen, welche Auflösung und welche Datenrate zu verwenden ist. Da heutzutage Bandbreite nur begrenzt verfügbar bzw. zu teuer ist, muß oftmals auf eine hohe Übertragungsqualität verzichtet werden. In naher Zukunft werden diese Probleme durch die Einführung von Breitband-ISDN mit ATM (Asynchronous Transfer Mode) als Übertragungsmodus behoben. ATM ist zum Transport multimedialer Datenströme geeignet, da eine individuelle Zuteilung von Bandbreite und damit eine extrem schnelle Datenübertragung möglich ist.
Live-Synchronisation bei zeitlicher Entkopplung: Die Live-Synchronisation bei zeitlicher Entkopplung zeichnet sich durch eine temporale Entkopplung zwischen Quellen und Senken aus. Die von den Quellen produzierten Datenströme werden zunächst gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt wiedergegeben. 17.2 Bei der Aufnahme müssen die zeitlichen Bezüge der jeweiligen Datenströme aufgezeichnet werden. In dieser Phase stellen die Dateneingabe-Komponente die Quellen und die Speicherungs-Komponente die Senken dar. Die nachfolgende Reproduktion interpretiert diese Information und stellt damit die Live-Synchronisation sicher. In dieser Phase fungieren die Systemkomponenten, welche die gespeicherten Informationen ausliesen als Quellen und die Komponenten, die für die Präsentation der Information zuständig sind, als Senken. Im Gegensatz zur Synchronisation bei örtlichem Versatz besteht hier die Möglichkeit der Interaktion, da die Datenrate zwischen Einzelbildanzeige, Zeitlupe und Zeitraffer variiert werden kann. Die Datenströme sowohl vorwärts als auch rückwärts ausgelesen werden. Außerdem besteht die Möglichkeit des wahlfreien Zugriffs. Die Anwendung der Senke steuert die Interaktion.