Die OMT-Methologie stellt ein geeignetes Vorgehensmodell zur Entwicklung komplexer Anwendungssysteme wie Compiler, Graphik-Software, Benutzungsschnittstellen, Datenbanken, CAD-Systemen, Simulationen, Metamodellen, Steuerungssystemen, betriebswirtschaftlichen Informationssystemen oder auch multimedialen Anwendungen dar. Die anfallenden Diagramme (und damit der zugrundeliegende Graph!) dienen als Hilfsmittel zur Kommunikation zwischen verschiedenen Entwicklern und können als Dokumentation genutzt werden. Weiterhin kann die graphische Notation auch dazu benutzt, bereits existierende, schwer verständliche Anwendungen im Nachhinein zu dokumentieren.
Multimediale Anwendungen werden u. a. zur Dokumentation, als Hilfesysteme oder auch zur Visualisierung komplexer Zustände und Vorgänge eingesetzt. Dabei kann jedoch festgestellt werden, daß die Entwicklung eines Anwendungssystems mit Hilfe der OMT-Methologie und die multimediale Dokumentation des Systems durch den Einsatz von Autorensystemen i. allg. orthogonal verläuft.
Ziel der Projektgruppe MPiG könnte es sein, ein neues Autorensystem zu entwickeln bzw. ein existierendes Autorensystem zu erweitern, das ausgehend von einem ein gewisses Anwendungssystem repräsentierendes OMT-Modell die Erstellung einer interaktiven multimedialen Anwendung unterstützt, die das Anwendungsstem multimedial dokumentiert bzw. visualisiert. Dieser Vorgang läßt sich durch eine Transformation des dem Modell zugrundeliegenden OMT-Graphen in einen entsprechenden Multimedia-Graphen realisieren.
Die Flexibilität, die existierende Autorensysteme beinhalten, wird damit in dem zu entwickelnden Autorensystem eingeschränkt. Das Autorensystem gibt in gewissen Grenzen ein Rahmenprogramm für die zu entwickelnde multimediale Anwendung vor. Vorteil dieser halb-automatisierten, gesteuerten MM-Anwendungsentwicklung ist die Möglichkeit der Entwicklung von zur Anwendung konsistenten multimedialen Dokumentationen bzw. Hilfesystemen. Ferner könnte das Autorensystem, falls das OMT-Modell der Anwendung geändert wird, eine konsistente partielle Änderung der Multimedia-Anwendung unterstützen.
Das Autorensystem kann jedoch nicht nur zur multimedialen Dokumentation von bestimmten Anwendungsystemen genutzt werden. Vielmehr stellt es auch einen ganz neuen Ansatz zur Entwicklung unabhängiger interaktiver multimedialer Anwendungen dar: Eine zu entwickelnde multimediale Anwendung könnte mit Hilfe der OMT-Methologie modelliert und anschließend mit Hilfe des Autorensystems halb-automatisch implementiert werden.