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Die Blickrichtung

Die Bildbetrachtung kann mit dem Lesen eines Textes verglichen werden. Im europäischen Kulturkreis liest man von links nach rechts und von oben nach unten. Dabei werden Sätze nicht mit einem Blick aufgenommen, sondern es erfolgen Blicksprünge von Wort zu Wort. Auch bei der Bilderfassung wandert der Blick des Betrachters von links nach rechts und von oben nach unten. Diese Richtungstendenz ist im Gegensatz zur Leserichtung kulturunabhängig. Auch Chinesen und Japaner "`lesen"' Bilder von links oben nach rechts unten.

Die Betrachtung eines Bildes unterscheidet sich allerdings in einigen Aspekten von dem Lesen einer Textseite. Ein Bild wird nicht immer von links oben nach rechts unten abgetastet. In der Regel konzentriert sich der Blick des Betrachters zuerst auf diejenigen Bildteile, die für ihn von besonderem Interesse sind. Doch das interessierende Bildelement wird wieder von links oben nach rechts unten abgetastet, bevor der Rest des Bildes betrachtet wird.

Diese Richtungstendenz hat Auswirkungen auf die Bildgestaltung. Bildelemente oder Kontraste, die eine besondere Wichtigkeit bekommen sollen, sollten im rechten Bildfeld positioniert werden. Der Blick des Betrachters wird dort, nachdem das Bild von links oben nach rechts unten abgetastet wurde, zur Ruhe kommen.




Wed Dec 11 15:53:30 MET 1996