In der Bildgestaltung spricht man von einem Kontrast, wenn sich zwei gegensätzliche Gestaltungselemente gegenüberstehen. Diese Gegensätzlichkeit kann sehr viel Spannung beinhalten und beim Betrachter zu den unterschiedlichsten Assoziationen führen. Grundsätzlich gilt, daß ein Bild mit sehr deutlichen Kontrasten auf den Betrachter wesentlich spannungsvoller wirkt als ein Bild mit nur sehr subtilen Kontrasten. Die grundlegendsten Kontraste sind: Hell-Dunkel-Kontrast, Formen- und Flächenkontrast, Größenkontrast, Oberflächenkontrast, Richtungskontrast, Mengenkontrast und Farbkontrast (siehe Abschnitt über Farben).
Der Hell-Dunkel-Kontrast eignet sich dazu, den Blick des Betrachter zu beeinflussen. Helle Farbtöne wirken grundsätzlich angenehmer als dunkle Farbtöne. Das Auge des Betrachters wird daher in der Regel auf hellen Bildabschnitten länger verweilen als auf eher dunklen Bildteilen. Die mit Hell-Dunkel-Kontrasten verbundenen Aussagemöglichkeiten sind dabei sehr unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: je größer der Kontrast zwischen Hell- und Dunkel in einem Bild ist, desto größer ist die Spannung im Bild. Bilder mit sehr starken Hell-Dunkel-Kontrasten sind deshalb nur sehr selten langweilig.
Mit dunklen Farbtönen kann der Bildautor auch ein "`Blickgefängnis"' erzeugen. Sind die Bildränder abgedunkelt und ist nur die Mitte des Bildes aufgehellt, so kann der Blick des Betrachter festgehalten werden. Ein schneller Austritt des Blicks aus dem Bild wird verhindert. Dunkle Farben am Bildrand bilden Säulen, die dem Bild den Eindruck von Standfestigkeit verleihen. Dunkle Farben am Bildoberrand hingegen empfindet der Betrachter als schwer. Sie scheinen nach unten zu drücken, wodurch eine gewisse Dramatik erzeugt wird.
Der Formen- und Flächenkontrast entsteht durch Gegenüberstellungen von runden und eckigen Formen, Linien und Flächen, symmetrischen und unsymmetrischen Formen, usw. Unterschiedliche Formen oder Flächen erzeugen ein Spannungsverhältnis. Dabei wird das Interesse des Betrachters geweckt. In Abbildung 5.6 kontrastiert die Diagonale mit dem schwarzen Kreis.
Der Größenkontrast ist ein Stilmittel, das die Räumlichkeit eines Bild verstärken kann. So wirken gleiche Bildelemente, die im Bild aber entsprechend ihrer Entfernung kleiner dargestellt und angeordnet werden, auf den Betrachter sehr perspektivisch. Für ihn entsteht der Eindruck als wären die kleineren Bildelemente weiter entfernt als die größeren Formen.
Stehen sich verschiedene Oberflächenstrukturen gegenüber, so entsteht der Oberflächenkontrast. Eine glatte, glänzende Fläche wirkt z.B. in ihrer Beschaffenheit noch glatter, wenn zum Vergleich eine eher rauhe Oberfläche dargeboten wird. Der Oberflächenkontrast ist also ein wirksames Stilmittel mit dem der Bildautor sehr leicht die Beschaffenheit einer Oberfläche verstärken oder auch abschwächen kann. In Abbildung 5.6 kontrastieren die Oberflächen der kleinen Kreise mit dem Hintergrund.
Der Richtungskontrast bezieht sich auf die Ausrichtung von Linien. So erzeugen Linien, die eher parallel verlaufen, beim Betrachter Eindrücke wie Ruhe und Ausgeglichenheit. Linien, die hingegen weniger zielgerichtet verlaufen und sich vielleicht sogar überschneiden, erzeugen beim Betrachter Spannung. Diese Wirkungen sind allerdings sehr individuell und sollten daher nicht überbewertet werden.
Innerhalb eines Bildes läßt sich die Spannung durch eine unsymmetrische Anordnung der Bildelemente erhöhen. Dies kann zum einen dadurch geschehen, daß einer symmetrischen Anordnung von zwei Bildelementen ein drittes Bildelement hinzugefügt wird. Entsteht in einem Bild durch die Hinzunahme eines weiteren Bildelements ein ungleiches Mengenverhältnis, so wird von einem Mengenkontrast gesprochen.