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Evolutionäre Herleitung der Definition von Multimedia

Da eine Erklärung wie aus dem Brockhaus nicht befriedigend erscheint, soll eine Definition gefunden werden, die diese neue Technologie von bisherigen unterscheidbar macht. Die charakteristischen Kriterien einer Definition, die Ralf Steinmetz in seinem Buch "`Multimedia-Technologie: Einführungen und Grundlagen"' nennt, werden einzeln betrachtet und schrittweise zur vollständigen Definition zusammengefügt.

Nicht jede Kombination von Medien ergibt eine multimediale Anwendung. Medien lassen sich in Bezug auf ihre zeitliche Komponente in zwei Klassen unterteilen:

Nach Steinmetz [Ste93] kann erst von einer multimedialen Anwendung gesprochen werden, wenn sie mindestens ein kontinuierliches und ein diskretes Medium verarbeiten kann. Also kann definiert werden:

Def.1

Eine Kombination eines kontinuierlichen und eines diskreten Mediums ist z.B. ein Karaoke-Video. Es besteht aus Audio- und Bildinformationen als kontinuierliches Medium und den Texteinblendungen als diskretes Medium. Dies entspricht aber nicht einem intuitiven Begriff einer Multimedia-Anwendung, da die Medien zwar verschiedene Darstellungsformen benutzen (Bild, Ton, Text), sie aber nie wieder getrennt bearbeitbar sind. Die Medien sind gemeinsam auf dem Magnetband gespeichert und damit starr miteinander gekoppelt. Nachträgliches Verändern nur eines Mediums ist nicht möglich. In einer Multimedia-Anwendung müssen die eingesetzten Medien unabhängig voneinander sein. So werden z.B. bei Spielfilmen für Gehörlose die Untertitel separat über Videotext übertragen. Der Videotext kann bei Bedarf einzeln verändert und z.B. in eine andere Sprache übersetzt werden.
Die Definition muß daher folgendermaßen erweitert werden:

Def.2

Die Unabhängigkeit der verschiedenen Medien erfordert etwas, was die Verarbeitung koordiniert bzw. die Medien kombiniert. Hierfür ist der Rechner das ideale Werkzeug. Das System kann dabei in einem gewissen Rahmen frei programmiert werden, also genügt die Aufnahme/ das Abspielen durch einen programmierbaren Videorekorder nicht. Die Medien sollen integriert werden, sie sollen eine gemeinsame Funktion erfüllen. Dies wird erreicht, indem zwischen ihnen zeitliche, räumliche oder inhaltliche Beziehungen erstellt werden. Das bedeutet z.B. für eine Textverarbeitung mit Tabellenkalkulation und Grafikdarstellung, daß sie dieser Bedingung erst genügt, wenn die Änderung eines Eintrages in einem Tabellenfeld sich auf die Grafik auswirkt und entsprechende Werte im Text beeinflußt. Diese Beziehung heißt inhaltliche Integrität.

Die Definition wächst dadurch zu:

Def.3

Der allgemeine Begriff der Verarbeitung von Informationen läßt sich bzgl. der Datenverarbeitung in Informations-Eingabe, Informations-Verarbeitung und Informations-Ausgabe (EVA-Prinzip) gliedern. Im Bereich der Medien entsprechen dem Erzeugung, Manipulation, Darstellung und Speicherung von Informationen.

Der Begriff der Manipulation schließt ein charakteristisches Merkmal einer Multimedia-Anwendung mit ein, welches vielfach im Sprachgebrauch vernachlässigt, aber dennoch meist vorausgesetzt wird: die Interaktion. Für eine "`richtige"' Multimedia-Anwendung ist es bedeutend, daß der Benutzer den Ablauf und das Erscheinungsbild der Anwendung beeinflussen kann. Er muß in einem gewissen Rahmen selbst entscheiden können, welche Medienobjekte zu welchem Zeitpunkt in welcher Art und Weise dargestellt werden.

Da davon ausgegangen werden kann, daß immer mehr Rechner an Kommunikationsnetze angeschlossen sind, wäre eine Einschränkung von Multimedia-Anwendungen auf lokale Rechner ein Rückschritt. Daher kann der Begriff Kommunikation, die dann zwischen den verschiedenen Rechner möglich und sinnvoll ist, zusammen mit den oben genannten in die Definition aufgenommen werden.
Damit ist die evolutionäre Herleitung der Multimedia-Defintion von Ralf Steinmetz vollständig:

Def.4


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Wed Dec 11 15:53:30 MET 1996